Unser Kater bringt uns regelmäßig Geschenke: Vorzugsweise klein, grau und tot. Nachdem er uns sein Präsent stets lautstark maunzend ankündigt - was mit voller Schnauze gar nicht so einfach ist und sehr merkwürdige Töne zum Vorschein bringt - legt er es normalerweise vor der Tür ab. Nicht heute. Heute steht die Tür zwecks Belüftung offen. Unser Kater schreitet also herein (ohne seine Beute anzukündigen!) und lässt sich erschöpft fallen. Da schreit Florian: „Er hat eine Maus!“ Der Kater erschrickt, und die Maus purzelt aus seiner Schnauze. Sie rennt. Anschließend geht es rund: Die ganze Familie flitzt hinter dem armen Viech her. Doch es entwischt immer wieder. Unser Hund beobachtet das verrückte Treiben eine Weile, denkt sich vermutlich, wo er hier bloß reingeraten ist, und beschließt, dass er ja mitspielen könnte. Die Kinder schreien, die Tiere rennen und ich versuche, nicht die Fassung zu verlieren. Unsere Nachbarn denken sicherlich mal wieder, dass hinter den Mauern unseres Hauses jemand zu Tode kommt, der nicht klein und grau ist. Diesen Gedanken muss man mit vier Kindern aber ertragen. Jetzt schreibe ich diese Zeilen. Kater und Hund wurden ausgesperrt. Die Kinder liegen auf dem Boden und warten. Darauf, dass die Maus aus ihrem Versteck kommt. Ich mache mir einen Kaffee, während die Kinder das Natur-Kino genießen. „Atmet sie noch?“, frage ich. „Sie atmet“, sagt Florian. In Ordnung. Das kann dauern...
Eva Baumgartner