Es fühlt sich seltsam an. Irgendwie unwirklich. Man hört die Nachrichten, ja, man macht sie sogar selbst, und man will es nicht recht glauben: Was passiert da gerade mit Deutschland, mit Emden, mit der Welt?
Die Redaktion der EZ ist leer gefegt. Ein Redakteur hält die Stellung und plant die Zeitung, alle anderen arbeiten von zuhause aus. Immer mehr Mitarbeiter des Verlages gehen ins Homeoffice. Die Geschäftsstellen sind zu ab heute. Man geht einkaufen mit schlechtem Gewissen. Die Kassiererinnen im Obi tragen Latex-Handschuhe. Corona ist inzwischen überall.
Es erinnert mich alles ein wenig an den Film „Outbreak“. Ein kleines Äffchen überträgt ein gefährliches Virus, zum Schluss soll ein ganzer Ort mit Atombomben ausgelöscht werden - was Dustin Hoffmann verhindert. Seltsamerweise hat Wolfgang Petersen Regie geführt. Ein Emder also. So schlimm kommt es wohl nicht in Deutschland und der Welt.
Man kommt abends nach Hause. Wieder wegzugehen zum Essen oder Freunde treffen: Das ist keine Option. Man muss sich schlicht keine Gedanken machen, wie man den Abend verbringt, denn man verbringt ihn zuhause. Da Netflix auf Dauer auch nervt, nehme ich die Krise als Chance und werde Dinge machen, für die mir keine Zeit blieb bisher. Corona schafft Aufregung am Tag, und Ruhe am Abend.
Die Querflöte endlich wieder herausholen und all den Irish Folk üben, den ich schon immer spielen können wollte. Jeden Abend joggen gehen. Meine Houellebecqs herausholen und sie erneut lesen. Garten und Terrasse rund ums neue Haus fertigmachen (Sorry, liebe Nachbarn, für den Lärm!) - das ist mein Plan. Ich werde berichten, ob ich ihn einhalte.