Letztes Update:
20200519144319
AFP Der französische Flugzeugträger Charles im Hafen von Brest.

Tokio: relative Normalität trotz des Notstands

08:05
08.04.2020
Im Großraum Tokio ist es einen Tag nach Ausrufung des Notstands zwar stiller auf den Straßen geworden, doch viele Menschen sind dennoch wie gewohnt zur Arbeit gegangen. „Ich habe viel zu tun, weil die Arbeit normal weiter geht“, sagte eine Angestellte eines Industrieunternehmens in Tokios Nachbarprovinz Chiba am Mittwoch auf dpa-Anfrage. „Uns ist nichts gesagt worden, jeder ist an seinem Arbeitsplatz“. Wie sie fuhren viele Beschäftigte mit Bus und Bahn zur Arbeit, auch wenn die sonst notorisch vollen Züge jetzt weniger Fahrgäste haben. „Der Notstand ist Augenwischerei“, sagte die Frau.
Nach längerem Zögern hatte Japans rechtskonservativer Regierungschef Shinzo Abe am Vortag angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus bis zum 6. Mai den Notstand ausgerufen, für Tokio, die drei Nachbarprovinzen Chiba, Kanagawa und Saitma sowie für Osaka, Hyogo und Fukuoka.
Die Behörden forderten zwar die Bürger auf, abgesehen von nötigen Besorgungen möglichst zu Hause zu bleiben. Viele Geschäfte, Kinos und Bahnhofsläden sind jetzt geschlossen. Eine harte Abschottung wie etwa in Frankreich ist es aber in Japan nicht. Weder kann bei Missachtung der Behördenaufforderungen bestraft werden, noch können Firmen gezwungen werden, die Arbeit einzustellen.
Die Infektionszahlen in Japan nehmen weiterhin deutlich zu. Am Dienstag wurden 362 weitere Fälle bestätigt. Damit sind jetzt mehr als 5100 Infektionsfälle bekannt. 109 Tote sind bisher in Japan wegen der Pandemie zu beklagen.

dpa