Trotz harscher Kritik vor allem aus der eigenen Partei bleibt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) bei seinem Vorschlag, die Corona-Risikogruppe kranker und älterer Menschen von anderen zu trennen. "Es wäre ein neuer Generationenvertrag, bei dem die Jüngeren arbeiten gehen, die Infektion auf sich nehmen, während die Älteren und Kranken auf soziale Kontakte verzichten", sagte Palmer. Eine optimale Versorgung für die Alten und Kranken sei bereits für zehn Prozent der Kosten zu erreichen, die für die derzeit ruhende Wirtschaft nötig seien.
Palmer hält sein umstrittenes Konzept auch für ethisch vertretbar, selbst wenn auch einzelne Gesunde durch eine Infektion in Lebensgefahr geraten könnten. Das geltende Kontaktverbot stellte der Kommunalpolitiker zwar derzeit nicht in Frage. Aber es sei der richtige Zeitpunkt, Wege aus der Krise zu suchen, sagte der Rathauschef.
Für alle, die nicht zur Risikogruppe gehörten, könne man die Einschränkungen dann schrittweise lockern. "Das Ziel wäre, das Wirtschaftsleben halbwegs zu normalisieren, sodass die Leute wieder arbeiten gehen können, aber keinen ungeschützten Kontakt mehr mit der Risikogruppe haben."