Letztes Update:
20200608123633

12:20
29.04.2020
Durch die drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus sind die Arbeitsmärkte weltweit eingebrochen. Fast die Hälfte der 3,3 Milliarden Arbeitskräfte weltweit seien in ihrer Existenz bedroht, berichtet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf. Betroffen seien vor allem 1,6 der zwei Milliarden Menschen, die irregulärer Arbeit nachgehen, also ohne Arbeitsverträge, und die oft von der Hand in den Mund leben. Ihr Einkommen sei im weltweiten Durchschnitt um 60 Prozent eingebrochen, in Afrika und Lateinamerika sogar um mehr als 80 Prozent.
"Wir müssen an das menschliche Elend und die Not denken, die hinter diesen Zahlen stecken", sagt ILO-Direktor Guy Ryder. Er ruft die Länder auf, soziale Hilfsprogramme aufzulegen und die internationale Gemeinschaft, ärmere Länder zu unterstützen.

Der Leiter der Katastrophenforschungsstelle an der Freien Universität Berlin, Martin Voss. Foto: Privat/dpa

12:01
29.04.2020
Die Pandemie ist nach Überzeugung des Berliner Sozialwissenschaftlers Prof. Martin Voss eine Katastrophe. Dass von ihr in der Regel als Krise gesprochen wird, sieht er kritisch. "Es fehlen bei der Corona-Pandemie die zerstörerischen Bilder und die sofort sichtbaren großen Opferzahlen, die verwundeten Menschen und zerstörten Häuser", sagt Voss, der die Katastrophenforschungsstelle (KFS) an der Freien Universität Berlin leitet, der Deutschen Presse-Agentur. So erscheine es vielen, als wäre alles noch nicht ganz so schlimm.
"Wir haben in den Köpfen ein Bild von einer Katastrophe als Sturm oder Hochwasser", so der Wissenschaftler. Die Pandemie werde jedoch ein Vielfaches der Opfer fordern wie etwa der Tsunami von 2004 oder das Erdbeben auf Haiti im Jahr 2010. Voss nennt die Pandemie eine "komplexe Katastrophe", weil praktisch alle Bereiche betroffen und die Auswirkungen nicht wirklich absehbar seien. Die meisten Menschen würden allerdings nicht an der Infektion sterben, sondern an den damit verbundenen indirekten Folgen. "Die Pandemie steht exemplarisch für die komplexen Katastrophen, die uns im 21. Jahrhundert in einer vernetzten Welt zunehmend drohen", warnt Voss.