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Bericht: Länder geben mindestens 2,3 Millionen Dosen an Bund zurück

11:43
08.08.2021
Angesichts der geringeren Nachfrage nach Corona-Impfungen wollen die Bundesländer einem Zeitungsbericht zufolge mindestens 2,3 Millionen ungenutzte Impfdosen an den Bund zurückgeben. Dies ergab eine Umfrage der „Welt am Sonntag“. Demnach planen 14 Bundesländer die Rückgabe und werden bis Montag Zahlen an das Bundesgesundheitsministerium melden. Bayern sei noch dabei, die Zahl der Dosen zu ermitteln, die es wieder abgeben will. Schleswig-Holstein habe keine Angaben gemacht. Nur das Saarland sehe keine Notwendigkeit.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte den Ländern in einem Schreiben die Möglichkeit eröffnet, „Impfstoffdosen, die in der nationalen Impfkampagne nicht mehr zum Einsatz kommen und deren Lagerhaltung eine Weitergabe an Drittstaaten im Rahmen von Spenden zulassen“, an das zentrale Lager des Bundes zurückzugeben. Die Impfstoffe sollten noch mindestens zwei Monate haltbar sein. Impfstoff aus Arztpraxen sowie von Betriebsärzten soll nicht zurück. Als erstes sollen Vakzine von Astrazeneca und Johnson & Johnson wieder an den Bund gehen.

Allein Nordrhein-Westfalen sieht der „Welt am Sonntag“ zufolge für 1,05 Millionen Impfdosen keinen Bedarf mehr. Baden-Württemberg wolle mehr als 450 000 zurückgeben, Hessen 185 200 und Sachsen 150 000. Die kleinste Rückgabemenge meldet Brandenburg mit 30 500. Das Bundeskabinett hatte Anfang Juli beschlossen, mindestens 30 Millionen Impfdosen an Entwicklungsländer und andere Staaten abzugeben. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte der „Welt am Sonntag“: „Wir sollten die Menge schrittweise weiter aufstocken, da in Deutschland inzwischen ausreichend Impfstoff verfügbar ist.“ Es sei nicht nachvollziehbar, wenn in Deutschland Impfstoff verfalle, der anderswo dringend gebraucht würde.

Malte Bürger

Berufsverband der Frauenärzte rät Schwangeren zur Corona-Impfung

11:02
08.08.2021
Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, empfiehlt Schwangeren eine Impfung gegen das Coronavirus. „Gerade, da die inzwischen verbreitete Delta-Variante nach internationalen Berichten mit einer hohen Infektiosität und mit einer erhöhten Erkrankungsrate auch bei Schwangeren einhergeht, ist nach Ansicht der Gynäkologenverbände eine Impfung vor und in der Schwangerschaft sowie im Wochenbett und in der Stillzeit sinnvoll“, sagte Albring dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Rechtlich seien Ärztinnen und Ärzte sowie die Schwangere bei diesen Impfungen inzwischen durch das Infektionsschutzgesetz geschützt.

Albring bedauerte, dass von der Ständigen Impfkommission (Stiko) bislang keine Empfehlung für die Impfung von Schwangeren vorliegt. In dem Fehlen sähen viele Ärztinnen und Ärzte ein Signal, „dass vielleicht doch ein Risiko in der Impfung verborgen sein könnte“. Albring verwies auf Sachsen, wo die dortige Impfkommission eine Impfung von Schwangeren empfehle. Stiko-Mitglied Marianne Röbl-Mathieu hatte im RND-Interview am Freitag eine Entscheidung ihrer Kommission bis Ende des Monats in Aussicht gestellt.

Malte Bürger

Experte: Fünf Prozentpunkte bei Impfquote haben starken Effekt

10:17
08.08.2021
Nach Aussage des Greifswalder Bioinformatikers Lars Kaderali kann eine um fünf Prozentpunkte niedrigere Impfquote zu etwa doppelt so vielen Corona-Neuinfektionen im Herbst führen. Für die Entwicklung der Corona-Inzidenzen würden Impfungen den Ausschlag geben, sagte der Leiter der Bioinformatik der Universitätsmedizin Greifswald der Deutschen Presse-Agentur.

So rechnet Kaderali bei einer Impfquote von 70 Prozent für Ende Oktober/Anfang November mit Sieben-Tage-Inzidenzen von 100 oder 150 in Mecklenburg-Vorpommern. Bei einer Impfquote von 65 Prozent zeigten die Simulationen schon Werte von 250 oder 300. Die Sieben-Tage-Inzidenz steht für die Zahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen binnen einer Woche je 100.000 Einwohner. Bei langfristigen Prognosen sei die Unsicherheit allerdings sehr groß, gab Kaderali zu bedenken. Die Inzidenzen könnten auch deutlich schneller steigen, etwa wenn sich der Effekt der Reiserückkehrer stark auswirkt.

Weil sich im Vergleich zu zurückliegenden Infektionswellen eher jüngere Menschen infizierten, käme es allerdings zu weniger schweren Krankheitsverläufen, und die Krankenhäuser würden erst bei Inzidenzen im hohen dreistelligen Bereich an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Solche Werte seien allerdings durchaus denkbar, so lange größere Bevölkerungsschichten - gerade auch Kinder und junge Erwachsene - nicht vollständig geimpft sind. Mit Blick auf die Lambda-Variante des Coronavirus sagte Kaderali, der mit seinen Simulationen die Landesregierung berät: „Das ist jetzt nichts, was mir große Sorgen macht. Das muss man sicher weiter beobachten.“ Laut der vorhandenen Daten werde Lambda kein großes Problem werden. Die Variante habe sich in anderen Ländern nicht durchsetzen können.

Malte Bürger