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Virologe Streeck: Pandemie ist nicht zu Ende - Politik zu reaktiv

18:55
18.06.2021
Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hält das schrittweise Vorgehen bei Lockerungen von Corona-Auflagen für angemessen. „Ich sehe es als richtig an, dass man in Babyschritten vorwärts geht und schaut, was verantwortbar ist und wie sich die Zahlen entwickeln“, sagte Streeck der „Fuldaer Zeitung“ (Samstag). Man sei nicht am Ende der Pandemie.

Der Virologe beklagte, die Politik sei immer noch zu reaktiv und nicht aktiv genug. „Wir versäumen es, aus der Pandemie maximal zu lernen und uns auf Herbst und Winter vorzubereiten. Es herrscht allgemein der Eindruck, das Virus verschwindet und dass wir die Pandemie überwunden haben, wenn die nächsten Monate ruhig laufen“, sagte Streeck. Man müsse sich aber für alle Eventualitäten, die im Herbst eintreten könnten, vorbereiten. Es gebe zu viele ungeklärte Unbekannte, etwa die Delta-Virusvariante, über die man noch zu wenig wisse.

Die Debatte über diese Variante gehört für Streeck in die Virologie und Epidemiologie, nicht aber in die öffentliche Diskussion. „Was wir wissen: Unsere Maßnahmen und zum Glück auch die Impfstoffe wirken genauso gut gegen die Varianten. Alle Schreckensmeldungen und Warnungen erzeugen beim Bürger nur unnötige Angst“, mahnte Streeck.

Max Seidenfaden

Niedersachsen lockert Corona-Verordnung weiter

17:43
18.06.2021
Das Land Niedersachsen lockert erneut seine Corona-Verordnung. So sollen in Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die Inzidenz seit fünf Tagen unter 35 liegt, bereits an diesem Wochenende Treffen von bis zu zehn Personen aus bis zu zehn Haushalten möglich sein, teilte die Staatskanzlei am Freitagabend in Hannover mit. Hinzu kommen können noch vollständig geimpfte und genesene Personen sowie dazugehörende Kinder unter 14 Jahren.

Nach dem am Dienstag vorgelegten Entwurf soll bei einer Inzidenz unter 10 die Zahl von 10 auf 25 Personen drinnen und 50 Personen draußen erhöht werden. Treffen darüber hinaus sollen möglich sein, wenn alle Erwachsenen einen negativen Testnachweis haben. Damit wären Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern, Fußball- oder Grillfeiern, Einschulungsfeiern und Ähnliches möglich.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen sank am Freitag nach Angaben des Robert Koch-Instituts auf 5,8, nach 6,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche am Vortag.

Max Seidenfaden

Müller: Abfüllung von Impfstoffen in Afrika erstmalig ab April 2022

16:09
18.06.2021
Der westafrikanische Senegal soll ab April 2022 mit dem Abfüllen von Corona-Impfstoffen beginnen können – als erstes Land in Afrika. Das sagte Entwicklungsminister Gerd Müller am Freitag zum Abschluss seiner Westafrikareise in der Hauptstadt Dakar. Am Vortag hatte Müller dem Institut Pasteur im Senegal 20 Millionen Euro zur Abfüllung und Produktion von Corona-Impfstoffen zugesagt. „Afrika braucht eine eigene Impfstoffproduktion, um die Bedrohung zu bekämpfen“, so Müller.

Das weltweit hoch angesehene Institut Pasteur, das bereits Corona-Tests und Impfstoffe gegen Gelbfieber herstellt, ist eines der wichtigsten Labore auf dem Kontinent. Afrika befindet sich nach Angaben der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (AU), der Africa CDC, mit 5,1 Millionen gemeldeten Fällen und 136 000 Toten mit dem Virus in der dritten Welle der Pandemie. Bislang ist laut der Weltgesundheitsorganisation erst ein Prozent der afrikanischen Bevölkerung von rund 1,3 Milliarden Menschen vollständig gegen Covid-19 geimpft worden.

Der Senegal ist der letzte Stopp von Müllers fünftägiger Reise, in dessen Zentrum der Kampf gegen die Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise stehen. Müller hatte zuvor Togo, Gambia und Sierra Leone besucht.

Max Seidenfaden