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20210312103558

Intensivmediziner: mehr Spielraum für Ärzte bei Impfreihenfolge

08:44
12.03.2021
Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis hat mehr Spielraum bei der Impfreihenfolge gefordert, sobald der Corona-Impfstoff in den Arztpraxen verfügbar ist. „Nichts ist schlimmer, als dass Impfdosen am Ende eines Arbeitstages übrig bleiben oder im Müll landen“, sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) der „Rheinischen Post“ (Freitag). Dann sei es besser, wenn der Arzt ihm bekannte Patienten anrufe, ob sie spontan zur Impfung kämen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern peilen den Start von Corona-Impfungen in den Arztpraxen bis spätestens Mitte April an. Ziel sei, frühestmöglich, jedoch spätestens in der Woche vom 19. April damit zu starten.

Mit Blick auf eine dritte Corona-Welle sagte Karagiannidis, dass genug Kapazitäten vorhanden seien, um eine leichte Infektionswelle zu verkraften. Eine starke dritte Welle wäre hingegen eine Katastrophe, weil die Zahl der freien Betten derzeit nicht rasch genug steige und das Personal erschöpft sei.

„Entscheidend ist, dass die Ansteckungsrate nicht über den sogenannten R-Wert von etwa 1,2 steigt“, sagte er. Das sei etwa die Grenze, danach werde es kritisch. Am Donnerstagabend lag der Sieben-Tage-R-Wert bei 1,04. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 104 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Patrick Reichelt

Verband: Hausärzte statt Impfzentren im Kampf gegen Corona

07:19
12.03.2021
Hausärzte sollen nach den Vorstellungen ihres Verbandes künftig komplett anstelle von Impfzentren gegen Covid-19 immunisieren. „Man mag die jetzt dort noch gebuchten Impftermine ja abarbeiten, aber parallel dazu muss das Feld der Impfungen endlich den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten überlassen werden“, sagte Verbandspräsident Ulrich Weigeldt der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag). „Die Praxen könnten sofort mit dem Impfen loslegen“, betonte er. Er forderte, die Impfungen in den Impfzentren auslaufen zu lassen und schnellstmöglich den Arztpraxen zu übertragen.

Der Fachminister-Empfehlung zufolge sollen die Impfzentren im April pro Woche mit 2,25 Millionen Dosen beliefert werden. Darüber hinaus verfügbare Impfstoffe sollen „frühestmöglich“ an Praxen gehen. Im Bundesgesundheitsministerium hieß es, für einen Start in den Praxen brauche es eine gewisse wöchentliche Mindestmenge an Impfstoff. Um dem Wunsch der Länder entsprechen zu können, ihre Impfzentren wie bisher auszulasten, könnten die Praxen wohl erst Mitte April starten.

Weigeldt sagte, die Hausärzte seien erschüttert und fassungslos darüber, dass „der längst überfällige Impfstart in unseren Praxen nun weiterhin auf die lange Bank geschoben“ werde. „Derweil liegen Millionen Impfstoffdosen ungenutzt herum in kostenintensiven Impfzentren, deren Anonymität gerade ältere Menschen scheuen.“

Patrick Reichelt