Abgeordnete, die ihr Mandat für persönliche Gewinne nutzen, sind nach Ansicht der stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Gitta Connemann, „Einzelfälle“. Es gebe „keine Anhaltspunkte“ für weitere Fälle, sagte sie am Mittwoch im „Morgenecho“ von WDR 5.
Dennoch müsse jetzt mit aller Härte und Konsequenz vor der eigenen Haustür gekehrt werden. „Ich werde für keinen der Kolleginnen und Kollegen im Deutschen Bundestag - egal, welcher Fraktion er angehört - die Hand ins Feuer legen können, denn ich weiß am Ende nicht, wer, was wie getan hat.“
Connemann reagierte damit auf die sogenannte Masken-Affäre der Abgeordneten Georg Nüßlein (CSU) und Nikolas Löbel (CDU). Gegen Nüßlein ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit. Löbel hat eingeräumt, dass seine Firma Provisionen von rund 250 000 Euro für das Vermitteln von Kaufverträgen für Corona-Schutzmasken erhalten hat. Bei ihm prüft die Staatsanwaltschaft, ob ein hinreichender Anfangsverdacht zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegeben ist. Beide Politiker haben inzwischen ihre jeweilige Partei verlassen. Löbel hat sein Bundestagsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Nüßlein will im Herbst nicht mehr für den Bundestag kandidieren.
„Das sind Vorfälle, die uns im Mark erschüttern“, sagte Connemann. „Es steht fest, dass Kollegen mit der Krise Geschäfte gemacht und daraus Gewinne geschlagen haben, und dafür gibt es am Ende nur ein Wort: unanständig.“ Es sei bitter, dass nun „das Fehlverhalten einiger Weniger“ allen auf die Füße falle. „Ein Abgeordneter sollte grundsätzlich keinen Profit aus seiner Tätigkeit schlagen“, unterstrich die Vizefraktionschefin. Das gelte nicht nur innerhalb einer Krise wie der Corona-Pandemie.