Letztes Update:
20210208202202

Nach Zweifel an Wirksamkeit: WHO-Experten beraten über Astrazeneca

20:22
08.02.2021
Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben am Montag über den weiteren Umgang mit dem Astrazeneca-Impfstoff beraten. Südafrika hatte geplante Impfungen mit dem Vakzin wegen Zweifeln an dessen Wirksamkeit gegen die dort vorherrschende Coronavirus-Variante vorläufig gestoppt. „Das sind auf jeden Fall beunruhigende Nachrichten“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montagabend in Genf. Die Entwicklung zeige, dass Vakzine schnell produziert und zu den Menschen gebracht werden müssten.

„Wir haben eine geringere Wirkung erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß“, sagte Salim Abdool Karim, Leiter des Corona-Beratungskomitees der südafrikanischen Regierung. Der neue Ansatz der Regierung sei, 100 000 Menschen mit dem Astrazeneca-Vakzin zu impfen und darauf zu achten, wie viele trotzdem in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen. „Wir wollen am Ende nicht Millionen Menschen geimpft haben, wenn die Impfung nicht effektiv ist.“

Eine aktuelle Studie zeigt, dass eine Impfung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff nur minimal vor leichten und moderaten Erkrankungen nach einer Infektion mit der in Südafrika vorherrschenden Virusvariante B.1.351 schützt. Die noch nicht in einem Fachmagazin erschienene und von unabhängigen Experten begutachtete Untersuchung wurde von den Universitäten Oxford in Großbritannien und Witwatersrand in Südafrika veröffentlicht. Weil der Astrazeneca-Impfstoff verhältnismäßig günstig und leicht zu lagern ist, galt er als große Hoffnung für Entwicklungs- und Schwellenländer.

Michael Rabba

Lettland prüft Kühlprobleme bei Impfstoff

19:42
08.02.2021
Lettland hält wegen möglicher Probleme in der Kühlkette eine Lieferung von 7200 Dosen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca zurück. Beim Transport habe es Abweichungen von der vorgeschriebenen Lagerungstemperatur gegeben, teilte die staatliche Arzneimittelbehörde in Riga am Montag mit. Demnach sei der Impfstoff vom Lieferanten um ein halbes Grad kühler als die vorgegebene Temperatur von zwei bis acht Grad aufbewahrt worden. Nun soll geprüft werden, ob das Vakzin weiterhin verwendbar ist.

Lettland hatte - wie seine baltischen Nachbarn Estland und Litauen - am Sonntag die erste Lieferung an Impfstoffen von Astrazeneca erhalten. Neben dem Präparat des schwedisch-britischen Herstellers werden in dem baltischen EU-Land mit 1,9 Millionen Einwohnern bereits die Vakzine von Biontech-Pfizer und Moderna verabreicht.

Die Impfkampagne ist in dem seit Herbst mit steigenden Corona-Zahlen kämpfenden Lettland nur sehr schleppend gestartet. Bislang wurden nach offiziellen Daten knapp 18 000 Menschen geimpft, davon haben gut Zweidrittel bereits beide Injektionen erhalten.

Michael Rabba

Wiener Corona-Experte weist Kritik an EU-Impfstoffbeschaffung zurück

19:07
08.02.2021
Der Co-Vorsitzende der für Corona-Impfstoffe zuständigen EU-Steuerungsgruppe hat den Vorwurf zu langsamer Verhandlungen mit den Herstellern zurückgewiesen. „Diese Kritik stammt von Leuten, die diesen Prozess nicht kennen und ihn nicht genau verfolgt haben“, sagte der Österreicher Clemens Martin Auer der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag).

In der Steuerungsgruppe sitzen Vertreter der 27 EU-Staaten. Sie war an den von der EU-Kommission geführten Vertragsverhandlungen beteiligt. Die Kommission steht in der Kritik, weil vorerst in der EU nur wenig Corona-Impfstoff verfügbar ist.

Auer beklagte zu hohe Erwartungen, die im ersten Quartal nicht erfüllbar seien: „Wir wussten immer, dass am Anfang die Impfdosen knapp sein werden“, sagte er. In Deutschland habe auch der Aufbau großer Impfzentren Erwartungen geschürt.

Der österreichische Corona-Sonderbeauftragte äußerte Zweifel, ob der Hersteller Astrazeneca im ersten Quartal wirklich 40 Millionen Impfstoffdosen an die EU liefern könne. Die Firma hatte unter Hinweis auf Produktionsprobleme in Belgien ihre Lieferzusage zunächst von 80 Millionen auf 31 Millionen gekürzt. Nach Protest der EU-Kommission sagte sie aber doch weitere neun Millionen Dosen zu.

„Wenn die neun Millionen Dosen extra wirklich kommen - und da bin ich mir nicht sicher, - dann bestimmt nicht aus Belgien“, sagte Auer. „Aber die produzieren ja genug sonstwo auf der Welt.“

Michael Rabba