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Tschechien ernennt mitten in Corona-Krise neuen Gesundheitsminister

12:06
29.10.2020
Das stark von der Corona-Pandemie betroffene Tschechien hat mitten in der Krise den Gesundheitsminister ausgewechselt. Präsident Milos Zeman überreichte dem Mediziner Jan Blatny am Donnerstag die Ernennungsurkunde. Der 50-Jährige folgt auf Roman Prymula, der sich nur einen Monat im Amt halten konnte. Der Epidemiologe war von einem Boulevardblatt abgelichtet worden, wie er nachts ohne Maske ein Restaurant verließ. Das sorgte in der Öffentlichkeit für großen Unmut, hatte Prymula doch selbst die Schließung aller Gaststätten angeordnet.

Zeman warnte den Politik-Neuling Blatny, dass er als Minister Angriffen ausgesetzt sein werde. Die Politik sei eine „ungeheuer grausame Angelegenheit“. Blatny gilt in der Hauptstadt als unbeschriebenes Blatt. Der Spezialist für Blutkrankheiten bei Kindern war bisher an der Uniklinik in der zweitgrößten Stadt Brünn (Brno) tätig. Im Frühjahr soll er das Coronavirus nach Medienberichten einmal eine „etwas schlimmere Grippe“ genannt haben.

In Tschechien nahm die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt exponentiell zu. Nach den jüngsten Angaben der EU-Gesundheitsagentur ECDC steckten sich binnen 14 Tagen statistisch 1481 Menschen je 100 000 Einwohner an. Das war der zweithöchste Wert innerhalb der EU nach Belgien. Seit Beginn der Pandemie starben 2 675 Menschen. Die Regierung in Prag hat Ausgangsbeschränkungen und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Tschechien hat knapp 10,7 Millionen Einwohner.

Sarah Haferkamp

Schweine-Schlachtstau: Klöckner will Ausweitung der Arbeitszeiten

11:56
29.10.2020
In der Corona-Pandemie sind die Kapazitäten in Schlachthöfen teils eingeschränkt - und die Schweineställe deswegen zu voll. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) fordert daher, die Arbeitszeiten in Schlacht- und Zerlegebetrieben vorübergehend auszuweiten. Am Donnerstag veröffentlichte ihr Ministerium einen Brief der Ministerin an Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) mit der Bitte, sich „für flexible Lösungen zur Öffnung der Schlachtbetriebe an Sonn- und Feiertagen einzusetzen“ - auch am Reformationstag, dem 31. Oktober, der in Niedersachsen Feiertag ist. In Niedersachsen werden besonders viele Schweine gehalten.

Einen teils wortgleichen Brief hatte Klöckner in dieser Woche auch schon an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geschrieben. Der Schlachtstau bereite „allergrößte Sorgen“, es drohe die Gefahr von Tierschutzproblemen in vollen Ställen. Nach Angaben der Verbände stauten sich derzeit mehr als 400 000 Schlachtschweine. Es fehlten wöchentlich mehr als 100 000 Schlachtungen - besonders durch den eingeschränkten Betrieb der Tönnies-Betrieben in Rheda und Sögel sowie der Firma Vion in Emstek. „Sollte sich an dieser Situation nichts ändern, wird bis Jahresende ein Schlachtstau von 1 bis 1,2 Millionen Schlachtschweinen erwartet.“

Klöckner mahnte im Brief an Heil, auch bei der Arbeitszeit brauche es flexible und vor allem kurzfristige Lösungen, ohne den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu gefährden. „Eine übergangsweise Ausweitung der Rahmenarbeitszeiten könnte ein möglicher Ansatz sein, um in kleineren Teams in unterschiedlichen Schichten und auch an den Sonntagen die Krise zu bewältigen.“

Sarah Haferkamp