Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat angesichts der Corona-Pandemie seine Forderung nach einem Schuldenschnitt für Entwicklungsländer erneuert. "Alles andere wäre grotesk, wenn wir auf der einen Seite unterstützen und auf der anderen Seite mitten in der Krise die Schulden einfordern", sagte er im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag). Zudem müsse die Soforthilfe für die Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen um fünf Milliarden Dollar erhöht werden, da sonst Kürzungen für Nahrungsmittelprogramme drohten.
Hilfsorganisationen hatten bereits im Frühjahr einen Schuldenschnitt gefordert. Länder im globalen Süden bräuchten die zur Schuldentilgung vorgesehenen Finanzmittel, um ihre Gesundheitssysteme zu stärken, erklärte etwa das deutsche Entschuldungsbündnis erlassjahr.de.
In afrikanischen und anderen Entwicklungsländern schlage die Pandemie "brutal zu", sagte Müller. "Das Virus ist das eine, das Herunterfahren des öffentlichen Lebens ist das andere." Die Vereinten Nationen gingen davon aus, dass in Afrika in diesem Jahr zusätzlich eine Million Menschen infolge der Pandemie sterben werden, weil die Versorgungsketten für Nahrung und Medikamente unterbrochen worden seien. Im Irak hätten fünf Millionen Menschen durch die Krise ihre Arbeit verloren, so der Minister; 25 Ländern drohe der Staatsbankrott.