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Schon wieder Rekord: Mehr als 8500 neue Corona-Fälle in Tschechien

08:59
10.10.2020
In Tschechien steigen die Corona-Infektionszahlen heftig weiter an. Am Freitag wurden den Behörden 8618 neue Fälle gemeldet, wie am Samstag bekannt wurde. Das waren knapp 3300 mehr als am Vortag. Es ist der vierte Tagesrekord in Folge. Seit Beginn der Pandemie gab es 905 Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung. In Tschechien, das knapp 10,7 Millionen Einwohner hat, müssen von Montag an Theater, Kinos, Museen, Galerien und Sportstätten für zunächst zwei Wochen schließen.

Ministerpräsident Andrej Babis hatte am Freitag einen Lockdown, also ein Herunterfahren der wirtschaftlichen Aktivität und des gesellschaftlichen Lebens, nicht mehr ausgeschlossen. Dem widersprach Präsident Milos Zeman. „Einen zweiten Absturz der Wirtschaft kann sich dieses Land nicht leisten“, sagte der 76-Jährige der Zeitung „MF Dnes“ (Samstag). Zugleich forderte er „drakonische, geradezu militärische Maßnahmen“ im Bereich der Freizeitaktivitäten.

Scharfe Kritik an der Krisenkommunikation der Regierung kam von Ex-Präsident Vaclav Klaus. Den Bürgern Angst einzujagen und ihnen mit weiteren Verschärfungen zu drohen, sei unseriös, teilte die neoliberale Denkfabrik des 79-Jährigen in Prag mit. Ein rationales Vorgehen sei oftmals nicht zu erkennen. Mit seinen Äußerungen über einen möglichen Lockdown richte der Ministerpräsident enorme wirtschaftliche Schäden an, selbst wenn es nicht dazu kommen sollte.

Patrick Reichelt

Experten: Corona-Schnelltests sollten gezielt eingesetzt werden

08:37
10.10.2020
Corona-Schnelltests sollten nach Ansicht von Experten zunächst gezielt für den Schutz von Risikogruppen eingesetzt werden - und nicht etwa, um Veranstaltungen zu ermöglichen. „Wir müssen hier mit dem Werkzeug, was wir zur Verfügung haben, prioritär vorgehen“, sagte Gérard Krause, leitender Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Das bedeute, Schnelltests, wie die derzeit erprobten Antigen-Tests, an den Orten anzuwenden, wo eine Infektion schneller tödliche Folgen haben könnte.

Das sieht auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek so. Mit Blick auf Kulturveranstaltungen sagte sie: „Solange wir begrenzte Kapazitäten haben, müssen wir priorisieren.“ Zunächst gelte es sicherzustellen, dass die Schulen offen bleiben und die Pflegeheime sicher sind. Beide Experten sprachen sich dafür aus, dass auch bei Schnelltests weiterhin medizinisches Personal die Abstriche nehmen müsse - und sich nicht etwa jeder zuhause selbst testen sollte.

Die Antigen-Tests könnten dazu beitragen, die Labore zu entlasten, betonte Krause. „Dann haben wir vielleicht nicht mehr die Situation, dass wir drei, vier Tage auf das Ergebnis warten müssen.“ Sie beanspruchten nicht die für die PCR-Tests wichtigen Laborkapazitäten, die Standard-Test für die Diagnose sind. Man könne mit den Antigen-Tests Personen testen, bei denen es nicht um eine direkte Diagnose gehe, sondern eher um die Reduktion eines Ansteckungsrisikos - etwa Besucher eines Altenheims.

Patrick Reichelt