Die Psychotherapeuten in Niedersachsen haben in der Corona-Krise bisher keinen Patientenansturm erlebt. „Wir haben noch keinen Anstieg zu verzeichnen“, sagte Felicitas Michaelis, Landesvorsitzende der Psychotherapeuten-Vereinigung. Im April sei die Patientenzahl zurückgegangen, die Praxen nur zu 78 Prozent ausgelastet gewesen. Das habe daran gelegen, dass Patienten verunsichert gewesen seien, ob die Therapeuten noch geöffnet sind. „Mittlerweile sind die Praxen wieder voll ausgelastet“, sagte Michaelis. „Wir haben wieder so viele Patienten wie vorher, aber nicht mehr.“
„Aber wir rechnen damit, dass wir deutlich mehr kriegen im Laufe der Zeit“, sagte Michaelis. Die psychischen Effekte einer Krise träten immer mit Verzögerung ein. Wann der Anstieg kommt, hänge zum Beispiel auch davon ab, wie sich die Arbeitslosenzahlen entwickelten. Arbeitslosigkeit berge ein hohes Krankheitsrisiko, auch für seelische Erkrankungen. „Insofern rechnen wir nicht kurzfristig, sondern eher mittelfristig mit einem deutlichen Anstieg von Patientenzahlen beziehungsweise auch mit der Zunahme von psychischen Erkrankungen“, sagte Michaelis.
Die Diagnosen haben sich der Landesvorsitzenden zufolge noch nicht verändert. Sie und ihre Kollegen beobachteten aber, dass sich die Diagnosen intensiviert hätten. „Also Leute, die vorher schon Ängste haben, denen geht es jetzt noch schlechter“, sagte Michaelis. Gleiches gelte für Menschen mit Depressionen. Hatten sie vor der Corona-Pandemie damit zu kämpfen, erlebten sie häufig eine Verschlechterung.