Die Folgen der Corona-Pandemie werden nach Ansicht der neuen Finanzchefin des katholischen Bistums Osnabrück großen Einfluss auf die Kirchen haben. „Weil die Kirchensteuer an die Lohn- und Einkommensteuer gekoppelt ist, werden wir uns auf deutliche Einschnitte einstellen müssen“, sagte Astrid Kreil-Sauer, seit Mai Finanzdirektorin des Bistums. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit seien gestiegen, die Wirtschaft in Deutschland erlitt im zweiten Quartal einen Rekordeinbruch.
„Wir wissen noch nicht, ob es bei den Kirchensteuern eine V- oder eine L-Entwicklung gibt - ob es also nach einem starken Einbruch wieder eine rasche Erholung gibt, oder ob wir längere Zeit deutlich niedrigere Einnahmen haben“, sagte Kreil-Sauer. Die Kirche müsse sich aber auf jeden Fall auf eine Situation einrichten, mit spürbar weniger Geld auskommen zu müssen. Denn auch die Kirchenaustrittszahlen sind auf einem Rekord-Hoch.
Katholische und evangelische Kirche stellen sich auf langfristig sinkende Steuereinnahmen ein. Noch im vergangenen Jahr ging die im Auftrag beider Kirchen erstellte „Freiburger Studie“ davon aus, dass die Mitgliederzahl wie auch die Kirchensteuereinnahmen bis 2060 um die Hälfte sinken werden. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie dürften diesen Prozess nun aber spürbar beschleunigen, sagte Kreil-Sauer. „Manche rechnen damit, dass wir schon deutlich früher auf das Niveau kommen, das die Studie für das Jahr 2060 prognostizierte.“
Die Kirchen müssten sich in nächster Zeit auf die schlechtere Finanzlage einstellen, Ausgaben auf den Prüfstand stellen, sagte Kreil-Sauer. Im Bistum Osnabrück solle es dazu im nächsten Jahr einen großangelegten Dialogprozess mit den Mitgliedern geben. „Das wird hier dezentral gemacht, nicht von oben herab verordnet.“ Denkbar seien ihrer Ansicht nach auch verstärkt Kooperationen mit anderen Bistümern, auch auf administrativer Ebene. „Vielleicht muss man in diesem Zusammenhang auch über eine stärkere Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche nachdenken.“
Eine konkrete Schätzung, wie groß die Mindereinnahmen in diesem Jahr sein werden, wollen die katholischen Bistümer Osnabrück und Hildesheim erst im Herbst geben. „Wir rechnen wie alle deutschen Bistümer mit einem Rückgang der Kirchensteuer“, sagte der Sprecher des Bistums Hildesheim, Volker Bauerfeld. Als Folge überprüfen beide Bistümer Investitionsentscheidungen und stellen sie gegebenenfalls zurück.
Konkretere Prognosen über coronabedingte Mindereinnahmen kommen indes von der Evangelischen Landeskirche Hannover, die für 2020 von Einnahmeausfällen von bis zu 90 Millionen Euro ausgeht, bei einem Haushalt von insgesamt 640 Millionen Euro für 2020. „Realistischer können wir das aber erst mit der nächsten Steuerschätzung des Bundes im Herbst sagen“, sagte Pressesprecher Benjamin Simon-Hinkelmann. „Im Moment ist unsere Prognose, dass sich die Einnahmen in den nächsten Jahren langsam wieder erholen und wir 2022 oder 2023 wieder das Einnahmeniveau von 2019 erreichen.“
In diesem Jahr werden die Mindereinnahmen durch Einsparungen auf Ebene der Landeskirche, Umverteilungen im Haushalt und Überschüsse aus dem letzten Jahr ausgeglichen, erklärte er. Auf Ebene der Landeskirche gelte für dieses Jahr eine Haushalts- und Wiederbesetzungssperre, zudem sollen die Ausgaben nach Möglichkeit um zehn Prozent geringer ausfallen als angesetzt. Davon seien ausdrücklich nicht die Kirchenkreise und Kirchengemeinden betroffen, die mit den finanziellen Mitteln arbeiten können, die im Haushalt 2019/2020 vorgesehen gewesen sind, betonte Simon-Hinkelmann.