„Könnten Sie mir mal schnell ein PDF machen?“ Verwirrt sehe ich mich um – beim Live-Bloggen bekomme ich eher wenig von meiner Umgebung mit. Vor mir steht ein älterer Herr, Teilnehmer dieses Events, und hält mir Unterlagen entgegen. „Sie haben doch einen Computer, dann können Sie mir doch sicher ein PDF machen!“ Innerlich seufze ich und überlege, wie ich dem Herren möglichst höflich erkläre, dass das mit den PDFs etwas anders geht, da redet er schon weiter: „Oder Sie machen ein Foto davon und schicken mir das auf den Computer!“ Und ich denke mir, bevor ich nie mehr weiterbloggen kann, mache ich das einfach – und verzichte auf die Frage, warum er das nicht selbst macht.
Also nehme ich die Unterlagen – und erstarre: es sind Kopien seines Personalausweises. „Aber ich kann doch nicht Ihre Ausweisdokumente fotografieren!“ Doch Herr Förster (denn seinen Namen, seine Adresse und alles andere wusste ich ja jetzt – wurde aber natürlich für diesen Text geändert) nickt nur großzügig und meint, das ginge schon. Während ich das Gefühl hatte, als würde gleich ein Sondereinsatzkommando der DSGVO den Raum stürzen und – mich? Ihn? Uns? – verhaften. Aber ich schien Vertrauen zu wecken, vielleicht weil ich das Alter seiner ältesten Tochter oder vierten Ehefrau oder einfach seiner jüngsten Sekretärin habe.
Lange Rede: ich fotografiere ihm die Unterlagen also und schicke sie seiner Assistentin, einer gewissen Frau Pifpaf (Name natürlich geändert, aber ehrlich: der eigentliche Name war noch lustiger). Nur um zehn Minuten später Herrn Förster wieder neben meinem Platz zu haben – Frau Pifpaf habe nichts bekommen! Konnte sie auch nicht, er hatte mir die falsche E-Mail-Adresse gegeben. Also neuer Versuch, während Herr Förster neben mir wartet – was mich am meisten irritiert. Ob er nicht Frau Pifpaf einfach anrufen wolle, frage ich ihn vorsichtig. „Ja“, nickt er eifrig, „super, rufen Sie Frau Pifpaf an!“ Drückt mir die Nummer in die Hand und geht zu seinem Platz zurück.
Während ich an meinem Job, meiner Ausbildung und meiner Höflichkeit verzweifle. Also rufe ich Frau Pifpaf an, die inzwischen die Dokumente erhalten hat und der ich vorsichtig erkläre, dass ich als Live-Bloggerin normalerweise andere Dinge tue. Woraufhin sie kurz schweigt, dann seufzt und mir verschwörerisch zuflüstert: „Der macht immer so Sachen.“ Eines ist klar: Frauen mit Computern lösen alle Probleme in Herrn Försters Leben – und wahrscheinlich in dem Leben vieler anderer Männer. Die Digitalisierung ist eben weiblich – und die Fotos habe ich natürlich gelöscht. Und bei dieser Aussage bleibe ich, bis das Sondereinsatzkommando der DSGVO wirklich den Raum stürmt!