Colette Flesch pflegte eine besondere Beziehung zu Großherzog Jean. Die ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg kannte ihn nicht nur durch ihre Rolle als Politikerin, sondern eben auch als Sportlerin. Flesch war eine der besten Luxemburger Fechterinnen und nahm insgesamt drei Mal an Olympischen Spielen (1960, 1964, 1968) teil. "In den 1950er-Jahren kam der erste Kontakt zu Stande. 1954 fand die Fecht-WM in Luxemburg statt. Ich war die jüngste Teilnehmerin und durfte dem Großherzog einen Blumenstrauß überreichen", erinnert sich Flesch.
Bei den Olympischen Spielen wurde der Kontakt vertieft. "Großherzog Jean war in Rom (1960) und in Mexiko (1968) dabei. Er besuchte die Luxemburger Sportler stets an einem Tag im Olympischen Dorf. Wir unterhielten uns auch. Großherzog Jean war interessiert, vor allem weil er selber auch gefochten hat. Ein bisschen Fachsimpelei war keine Seltenheit. Er wusste, wovon er sprach."
Flesch ergänzt: "Ich würde schon von einer besonderen Verbindung sprechen. Ich war beispielsweise auch in verschiedenen Rollen 1972 in München, 1992 in Lillehammer oder 1994 in Albertville bei den Olympischen Spielen dabei. Dort traf ich den Großherzog ebenfalls. Mich begeisterte vor allem seine Art und Weise: Bei Olympia war das großherzogliche Paar noch lockerer als bei Auftritten in Luxemburg. Sie mischten sich unter die Sportler und es gab keine Berührungsängste. Diese Einfachheit machte viel vom Charme aus. Großherzog Jean sah sich selber nie als etwas Besseres an."
Die langjährige Abgeordnete im Europaparlament gerät förmlich ins Schwärmen, wenn sie von der Rolle des Großherzogs im Internationalen Olympischen Komitee spricht: "Er hatte eine ganz besondere Position. Es war eine wahre Freude zu sehen, welch hohe Anerkennung er genoss. Die Wertschätzung war sehr groß."
Yves Bodry