Bahnstrecke RE 2 (Liberec) - Zittau - Dresden
Sehr geehrter Herr Landrat Harig,
in der Bundesrepublik Deutschland ist in der politischen Debatte zunehmend der Fokus auf die Entwicklung des „ländlichen Raums“ gerichtet. Dabei nimmt die Frage der Mobilität höchste Priorität ein. Seitens der Sächsischen Staatsregierung wurden in der jüngsten Vergangenheit die Bemühungen verstärkt, einen leistungsfähigen SPNV / ÖPNV zu schaffen. Dies spiegelt sich auch in einer verbesserten Finanzausstattung der Zweckverbände wieder.
Umso mehr haben wir mit großer Verwunderung die Meldungen der Sächsischen Zeitung “Was auf Trilex-Reisende zukommt” (24.08.2019) und des MDR “Länderbahn setzt vorübergehend kleinere Züge bis Dresden ein” (26.08.2019) zur Kenntnis nehmen müssen.
Demnach sollen ab 01.09.2019 teilweise die bisher eingesetzten Desiro-Bahnen der Baureihe 642 durch kleinere Regio-Shuttle-Züge ersetzt werden. Als Gründe werden u. a. die Vorbereitungen auf den Fahrplanwechsel im Dezember und eine zeitweise Ausleihe von Trilex-Desiro-Bahnen in das Saarland angeführt.
Während Ersteres, infolge der anstehenden Modernisierungen der Desiro-Flotte, noch halbwegs plausibel erscheint, ist die Ausleihe von Desiro-Bahnen durch die Länderbahn, um anscheinend in anderen Regionen “gewonnene” Verkehre abzusichern, absolut nicht hinnehmbar. Insofern muss vermutet werden, dass die „Länderbahn“ die vertraglich gebundenen SPNV-Leistungen im Ostsachsennetz nicht erbringen kann. Inwieweit der Verkehrsvertrag damit obsolet wird, kann von unserer Seite nicht beurteilt werden. Weiterhin steht die grundsätzliche Frage, ob in Anbetracht des Zustandes / Ausstattung des Länderbahn-Fahrzeugparkes die vertraglich gesicherten Qualitätsstandards erfüllt werden.
Darüber hinaus ist völlig unverständlich, dass u. a. die nachfragestarken morgendlichen Regionalexpresszüge RE 2 der Relation Zittau – Dresden von dem geänderten Fahrzeugeinsatz betroffen sind. Dies trifft in erster Linie Berufspendler und Geschäftsreisende. Diese Bahnverbindung hat für unsere Region eine enorm hohe Erschließungswirkung und sichert nicht nur die Anbindung an die Landeshauptstadt, sondern auch an den Fernverkehr der Deutschen Bahn.
Für die Bevölkerung würde mit Umsetzung der angekündigten Maßnahmen sehr deutlich, welch geringen Stellenwert der SPNV anscheinend in unserer Region hat. Erst der Wegfall der komfortablen Neigetechniktriebwagen (Baureihe 612) auf den beiden Regionalexpresslinien, dann die erneute Ausschreibung und Neuvergabe mit gebrauchten Fahrzeugen und nunmehr der angekündigte Fahrzeugwechsel, einhergehend mit weiteren Kapazitäts- und Komforteinbußen. Gerade der SPNV hat aber das Potential, unsere Region schnell und leistungsfähig an den Ballungsraum Dresden anzubinden und somit Abwanderung und Landflucht einzudämmen (oder die Stadtflucht auch in unsere Region zu lenken).
Darüber hinaus ist ein attraktiver und leistungsfähiger SPNV essenziell für die weitere touristische Entwicklung der gesamten Region, darin eingeschlossen der Naturpark „Zittauer Gebirge“. Insoweit wird auch auf die Schwerpunktsetzung beim diesjährigen Tourismusbarometer am 15. August 2019 Bezug genommen.
Als Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der betroffenen Anrainerkommunen und in Verantwortung für unsere Bevölkerung fordern wir Sie als Vertreter des zuständigen Aufgabenträgers auf, die vertragsgemäße Einhaltung des Fahrzeugeinsatzes und die Bereitstellung der entsprechenden Kapazitäten bei der Länderbahn sicherzustellen und die angekündigten Maßnahmen dahingehend zu überprüfen. Wir erlauben uns, eine Kopie dieses Schreibens an die Verbandsräte des ZVON sowie das SMWA zu übersenden.
In Erwartung Ihrer geschätzten Rückantwort verbleiben
mit freundliche Grüßen
gez.
Thomas Zenker Oberbürgermeister Große Kreisstadt Zittau
gez.
Markus Hallmann Bürgermeister
Gemeinde Mittelherwigsdorf
gez.
Verena Hergenröder Bürgermeisterin
Stadt Ebersbach -Neugersdorf
gez.
Frank Peuker Bürgermeister Gemeinde Großschönau
gez.
Adelheid Engel Bürgermeisterin Gemeinde Oderwitz