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Souveränität ist Widerstand und Widerstand ist nicht das Gegenteil von Wettbewerbsfähigkeit. Sie ist ihre Voraussetzung. Aya Jaff, Unternehmerin, Autorin und Kolumnistin, Surplus Magazin  11:51
07.07.2026

Wem gehört die digitale Infrastruktur?

12:16
07.07.2026
Das dürfte eine zentrale Frage werden für uns alle! Zum Auftakt wirft Aya Jaff in ihrer #TFM26-Keynote mit dem Titel “Wir haben das Internet gebaut — Sie besitzen es” einen kritischen Blick darauf, wer im digitalen Raum eigentlich die Kontrolle hat und welche Auswirkungen das für Menschen und Medienschaffende mit sich bringt. 

Der Exkurs: Die Unternehmerin, Autorin und Kolumnistin beim Wirtschaftsmagazin Surplus weiß, wovon sie spricht. Jaff hat eine Vergangenheit als Tech-Fan, als Stipendiatin im Silicon Valley, mit “Superhelden-Eid” und dem passenden Mindset fürs Startup- und IT-Dasein in den USA - und Kontakten zu KI-Pionieren wie Sam Altman. Miterleben durfte Aya Jaff dort auch, dass der Startup-Gedanke an der renommierten Harvard University von Investoren wie Peter Thiel geprägt ist, mit dem Ziel, am Ende immer ein Monopol zu schaffen. Sie selbst baute zwei Startups auf, anfangs mit Erfolg und Investoren, aber bald mit der Erkenntnis: Inwiefern muss ich Verantwortung übernehmen? Ihre Lehre daraus ist, dass es für Entwicklungen wie KI einen moralischen Kompass braucht, einen Kompass, der über Gesetzeslagen oft hinausgeht. 

Am konkreten Fall von ZoomBooks, das jüngst mit unerklärlichen Massenbestellungen an Büchern aus Antiquariaten aufgefallen ist, erklärt Aya Jaff, wie sich Kulturgut um KI-Zeitalter in “Rohstoff” verwandeln kann. Das führte zu Gewissenskonflikten bei Buchhändlern. Aber KI-Unternehmen ernähren sich nicht nur von altem Wissen; der Fall von Google News zeigt aus ihrer Sicht, dass die Zusammenfassungen oben auf der Seite von genau den Quellen leben, “die sie gerade verhungern” lassen. 

Die Tech-Unternehmen hätten noch nie so viel Macht gehabt wie heute, betont Jaff. Nur, dass die Menschen die IT- und KI-Mär aus dem Silicon Valley nicht mehr so ganz glauben wollten. Der Widerstand wachse beispielsweise in den USA aufgrund von Jobabbau durch KI, durch den Bau von immer mehr energieintensiven Rechenzentren, durch Diskussionen über Deepfakes. 

Statt über den richtigen und falschen Gebrauch von KI zu diskutieren, will die Autorin bei #TFM26 lieber eine Debatte über die Frage anstoßen, wem die grundlegende Infrastruktur gehört. Man habe Gesetze, Gerichte, Institutionen, alles an Regulierung wäre möglich, um digitale Plattformen in den Griff zu bekommen. Aber: Uns fehlt am Ende des Tages die Souveränität als Voraussetzung von Wettbewerbsfähigkeit. Sie verweist auf Denkspiele für ein wirtschaftsdemokratisches Modell der digitalen Infrastruktur, darauf, dass rund 300 europäische Tech-Unternehmen den Euro Stack fordern mit massiven Einsparungen durch einen Wechsel hin zu Open-Source-Anwendungen.

Petra Schwegler

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