Nun widmen sich die Expertin für Neuroökonomie Dr. Caroline Grauel und der Strategieberater Sebastian Krüger der Frage in Köln, wie Marken es trotz unzähliger Kanäle und Touchpoints immer noch in die Köpfe und Herzen der Konsument:innen schaffen. Kurzum: dem Paradox aktueller Kommunikation.
Was kann Audio dazu beitragen?
Krüger, im Advisory Board der Quintus Studios sowie Manager und Strategieberater für digitale Transformation und KI, weist auf das „Gewitter im Kopf“ hin, dem jeder Einzelne toujours ausgesetzt ist. Grauel, Gründerin von MINDING LUXURY und Expertin für Neuroscience, KI und Konsumentenverhalten, spricht sogar von „kognitivem Shutdown“. Bei zu vielen Reizen schalte das Gehirn nämlich einfach ab.
Die Lösung: In einer Ära des überforderten Gehirns, entscheidet nicht Reichweite über Wirkung, sondern Resonanz. Dabei würden klar definierte Marken helfen. Und: Wenn richtig eingesetzt, werde Audio zur „unfair advantage“, um dieses Rennen zu gewinnen. Denn visuelle Reize, die eigentlich gerade in ihrem Übermaß für den „Shutdown“ sorgen, brauchen deutlich länger als Hörreize, um wahrgenommen zu werden. Das Ohr sei „always on“, das Gehirn reagiere auf Audio zudem emotional, so Grauel.
Also: Menschen „sehen“ täglich tausende Botschaften. Entscheidend ist nicht mehr, wie viele Kontakte Marken erzeugen, sondern ob sie mental verfügbar und emotional anschlussfähig werden.
Und hier kommt Audio ins Spiel ..
Krüger führt als Beispiel für die Kraft von guten Audiomarken ausgerechnet Netflix an; der Streamer setzt seit 2015 das bekannte Soundlogo ein, mit dem 2025 das TUDUM-Festival in den USA massiv gepusht wurde. Das Star-besetzte Event war eingebunden in das Netflix-Audio-Design. Aus gutem Grund, wie die #RAS26-Referent:innen dokumentieren. Der Quintus-Manager spielt in Köln durch, was passieren würde, wenn deutsche Marken wie Audi oder die Deutsche Telekom mit ihren prägnanten Soundlogos ähnlich wie Netflix handeln würden.. Beim Tanken den Audi-Sound hören?
Grauel und Krüger betonen die psychologische Perspektive: Audio gewinnt strategische Bedeutung, weil es anders im Gehirn verarbeitet wird. Das Medium könnte der „Gamechanger“ werden: In einer Welt fragmentierter Aufmerksamkeit müssten Marken konsistent erlebbar sein – aber auch auf Trend und Zeitgeist einzahlen. Sie müssten wiedererkennbar sein und trotzdem flexibel nutzbar. „Audiophorie“ entsteht dort, wo Audio nicht gescriptet wirkt – sondern authentisch.