- Verständnis und Nutzung von Lokaljournalismus: „Lokalität ist sehr individuell, für manche ist es der Stadtteil, für andere die Region.”
- Stellenwert von Lokaljournalismus: „Lokaljournalismus ist dann relevant, wenn er nah an der Alltagswelt der Menschen ist.”
- Was als wichtig empfunden wird, variiert von Person zu Person: Veranstaltungen, Baustellen, Serviceinformationen. Eine große Rolle spielt auch, welche Kanäle genutzt werden. „Lokaljournalismus ist nur einer von vielen Playern im Informationsmix und muss seine Relevanz behaupten.”
- Mehrwert von Lokaljournalismus und Erwartungen: Er schafft Vertrauen, stiftet Transparenz, kann Dinge in Bewegung setzen. Grundsätzlich anerkannt, aber die Erwartungen in Lokaljournalismus sind hoch.
- Informationsfunktion
- Partizipationsfunktion
- Gemeinschaftsfunktion
- Kritik- und Kontrollfunktion
Dr. Dogruel legt dar, wie schwierig es ist, die demokratiestabilisierende Wirkung von Lokalrundfunk zu belegen: „Wir können erst im Nachhinein die negativen Effekte anschauen, die eintreten, wenn Lokaljournalismus nicht mehr da ist. Solche Effekte können wir glücklicherweise in Deutschland und Europa nicht untersuchen.” Sie betont auch die mittelbare Bedeutung von Lokaljournalismus für Demokratie, nämlich die bloße Anwesenheit lokaler Redaktionen, die in gewisser Weise reguliert. „Wenn das wegfällt, haben Menschen vor Ort den Eindruck, dass sie es nicht mehr wert sind.”
Tim Lauth berichtet von den offenen Türen, die in den Lokalredaktionen seines Sendernetzwerks Radio Group gelten und betont die „echte Nähe”, die hier noch herrscht. Aber zu einem Preis: „Das ist natürlich personalaufwendig.” Seine Reporter:innen besuchen abends um 20 Uhr auch mal die Stadtratssitzungen. „Wir sind vor Ort und das fällt auf, vor allem aber, wenn wir mal nicht da sind.”
Radio hat sich weiterentwickelt und findet schon lange nicht mehr nur auf linearem Weg statt. Der BLM-Präsident fasst es so zusammen: „Radio ist ein Baustein und darum herum entsteht ein riesiges Gebäude. Social Media ist nicht nur Teaser, sondern Teil dieses Ökosystems.” Das heißt für die konkrete Unterstützung: „Bei uns steht bei der Förderung der Inhalt im Zentrum. Der Zuschauer steht im Zentrum. Und wenn Nutzer auf TikTok sind, muss es unsere Aufgabe sein, dort zu sein”, so Schmiege.
Förderung?
Das ist für Tim Lauth in Rheinland-Pfalz nicht gegeben. „Dabei brauchen wir diese Förderung definitiv. Auch für die Vermarktung. Denn die klassische MA holt uns in der Reichweite nicht ab, wo wir wirklich sind. Das lässt sich nicht vermarkten, also braucht es andere Mittel, ohne dass wir in Formatvorgaben gefördert werden.” Auch der Kauf von Antenne NRW durch die Radio Group ist Thema auf dem Panel. Lauth: „Aus unternehmerischer Perspektive war das sehr sinnvoll. Wir werden sehen, wie viele einzelne Lokalsender es in fünf Jahren noch gibt. Wir müssen uns öffnen und in den Austausch gehen, um die Gattung zu retten.”
Die Sorgen werden eher größer. Stichwort KI: Für BLM-Präsident Schmiege “größte Chance und größtes Risiko” zugleich. „Die Bedrohung liegt darin, wie KI-Systeme die klassischen Erlösmodelle der Medien aushöhlen: Bei ChatGPT sind die Urheberrechte weg. Wenn man den großen KI-Riesen das Feld überlässt, ist auch ein wesentlicher Teil der Finanzierbarkeit weg”, so der Münchner Medienwächter.