Den Auftakt mit einer Keynote macht ein ganz besonderer Speaker, der acht Stunden angereist ist: James Neish, der CEO von Radio Gibraltar, teilt seine Vision: „Long Live Local”, mit der er der Gibraltar Broadcasting Corporation nicht nur im Radio sondern auch im Fernsehen wieder zu Rekordzahlen verholfen hat. Er startet mit einem geliehenen, aber starken Zitat in den Talk, das er auch seinem Team vorsagte:
“Change almost never fails because it’s too early. It almost always fails because it's too late.”
Seine Hauptpunkte für eine gelungene Lokalfunk-Strategie: Local, Originality, Community, Audiences und Live. Nach einer dreijährigen Umbauphase haben sich die Bemühungen bezahlt gemacht: Die Zufriedenheit mit dem Programm schoss nach oben.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor laut Neish: Vor Ort zu sein und den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie gesehen werden: „Es ist wichtiger, aufzutauchen und da zu sein, als das perfekte Bild einzufangen.” Um einen wirklich lokalen Lokalfunk zu schaffen, ist für Neish außerdem unabdingbar: Begeisterung für die Community zu haben, zu verstehen, wie die Leute ticken, und den Talk of Town zu kennen. Außerdem brauche es einzigartigen Content, den man eben nicht auf Netflix und Co. findet. Radio Gibraltar setzte dies zum Beispiel mit einem Behind-the-Scenes-Podcast zu einem Kriminalfall um.
Die Thesen für die Zukunft
Im Anschluss präsentieren drei hochkarätige Speaker:innen ihre Thesen für die Zukunft des Radios und geben auch gleich Lösungen mit.
Den Start macht Larissa Lannert von Charivari 95.5, die frisch gekürte BLM-Medienpreisträgerin als beste Moderatorin mit
1. These: Community und AustauschUnter der Devise „Larissa 24/7” hat sich die Redaktion 2024 entschieden, die private Handynummer der Moderatorin öffentlich zugänglich zu machen. Die Aktion entstand aus dem Wunsch heraus, noch mehr und näher für die Münchner:innen da zu sein. Das Projekt: ein riesiger Erfolg. Zahlreiche Nachrichten gehen täglich ein, „und ich musste seit Oktober erst einen einzigen Kontakt blockieren. Jeden Tag beweist sich, dass es der richtige Schritt war".Im Rahmen der Aktion löst Charivari 95.5 große und kleine Probleme: Ob es die Mutter ist, die einen Kindergartenplatz sucht, oder ein Mann, dessen Fahrrad geklaut wurde und vom Fundort Bielefeld von einer anderen Hörerin zurück nach München gebracht wurde. „Wir bieten eigentlich nur die Plattform, die Münchner:innen helfen sich gegenseitig. Wir sind die größte Redaktion der Stadt, mit unserer Hörer:innen gemeinsam. Dafür machen wir es: Wir wollen die Leute connecten, und dass es ihnen in ihrer jeweiligen Stadt noch besser geht.
Dennis Horn aus Köln, stellvertretende Programmchef von 1Live/WDR mit:
2. These „Unterhaltung kann, was wir nicht können”Der Querschnitt deutscher Journalist:innen beweist: Es gibt zahlreiche Herausforderungen für Menschen, in den Journalismus zu gehen, die aus weniger wohlhabenden Familien kommen, für Menschen mit Migrationshintergrund, für Menschen aus sozialen Brennpunkten oder Menschen mit Behinderungen. 1Live hat einen Weg gefunden, diese Diversität und andere Lebensrealitäten dennoch in ihr Programm zu bringen: Über den Weg der Unterhaltung. Genau genommen geht es um ein Talenteprogramm, das Künstler:innen unterstützt und von dem 1Live profitiert, indem es die Talente später im eigenen Programm intergrieren kann. Sie bringen laut Horn neben anderen Lebensrealitäten noch etwas ganz wichtiges ins Programm ein: „Zeitgeist! Denn wir haben ein Publikum, das klassische Radio-Comedy nicht mehr so gut akzeptiert. Selbst unsere eigenen jungen Mitarbeitenden, die finden Stimmimmitation schnell mal cringe.”„Es ist für uns von ganz großem Wert, Diversität über Unterhaltung abzubilden. So divers das Publikum ist, so divers müssen wir da auch rangehen.”
Ein eindringliches Schlussstatement setzt die Vorsitzende der Geschäftsführung der Antenne Bayern Group, Valerie Weber, mit ihrer
3. These: Kooperation und Vielfalt!
„Vielfalt lebt nicht vom Alleingang, sondern von starken Allianzen. Es macht überhaupt keinen Sinn, zu versuchen, die Probleme der Branche alleine zu lösen. Die Vielfalt braucht Verbündete, nicht Einzelkämpfer. Das ist kein Widerspruch, das ist kein Kontrollverlust des Einzelnen, sondern das macht uns stark”, startet Weber in ihre Präsentation, in der sie fünf Bereiche vorstellt, in denen die Radiobranche stärker zusammenrücken soll:
- Geteilte Ressourcenslots in Randzeiten
- Lokalreporter–Netzwerk als zweiter Schritt
- KI- und Technik-Initiative ("KI kann Vielfalt stützen, wenn Inhalte klug kuratiert werden”, gemeinsame Prompt-Libraries)
- Gemeinsame Marktforschung
- Landesweite Vermarktungskonzepte