Was unterscheidet den Schweizer vom bayerischen Fernsehmarkt? "Jeder Sender darf sein Programm sieben Tage speichern. Jeder lineare Free-TV-Kanal ist damit in einer Mediathek abrufbar. In der Schweiz war zeitversetztes Fernsehen damit vor 2014 bereits präsent - vor dem Boom der Steamer." So skizziert TV-Macherin Dominique Lammer in ihrem Impuls die Lage in ihrem Markt, der fünf Sendegebiete in der Deutschschweiz umfasst. Die Regional-TV-Chefin des Medienkonzerns CH Media nennt es eine Herausforderung mit Chancen: Denn "über 50 Prozent unseres Programms werden inzwischen gestreamt". Mit dem klaren Vorteil, dass TV Leitmedium geblieben ist auf allen Verbreitungswegen.
Doch die Konkurrenz wächst. Was tun? "Was machen wir nicht mehr?", fragt Lammers. Im Kern steht Fokussierung und die Frage, was die Menschen vor Ort am meisten interessieren. Anhand eines "Soundingboards" mit Programmideen des Team seien im vergangenen Jahr über 20 neue Formate gelauncht werden, so die Schweizerin. Mit dem Effekt: "Diese Programme schaffen viel Nähe beim Publikum und sprechen die Werbewirtschaft gut an." Daneben lernt das Team ein gewisses Preisbewusstsein für die Kosten des Selbstproduzierten.
Wo kommt mehr Content ohne mehr Kohle her?
"Region first": Diese Leitlinie schafft Potenzial. Mit neuem Programmschema und unterschiedlichen Formatlängen ist eine neue Mischung gelungen seit Dominique Lammers' Einstieg Ende 2023. Das Wetter wurde in den vergangenen 18 Monaten beispielsweise vor die Nachrichten gezogen, damit ein gut verkaufter Werbeplatz geschaffen und das Publikum schon vor den News ins Programm geholt. Für den Werbemarkt gibt es zudem ein Werbeblock-Bundle, das dem zeitversetzten Bundle und der linearen Ausstrahlung gerecht wird.
Für Sender wie Tele Bärn bleibt 2025 laut Lammer noch eine große Herausforderung: "Die Verweildauer!" Derzeit sind im Schnitt knapp 20 Minuten die regionalen TV-Sendungen aus dem Haus CH Media auf den Bildschirmen präsent.
Wie agieren andere?
Zustimmung von Horst Rettig, der inzwischen münchent.tv und die Lokalsender in Ingolstadt und in der Region Heilbronn in der Localism Media Group bündelt. rfo-Chef Norbert Haimerl aus Rosenheim setzt bei all den Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte auf das Stadtgespräch: "Hast du das gesehen?" sollte aus seiner Sicht öfter passieren. Mit neuen Formaten, mit guten Ideen, mit Menschen im Team, die tief in der Region verwurzelt sind und viel zu erzählen haben.
Kapital freischaufeln könnten Rettigs Team durch den Zusammenschluss zur neuen Localism Media Group, in der Technik, Verwaltung und Marketing gemeinsam gedacht und Programminhalte jeweils vor Ort produziert werden. Diese Zentralisierung soll weitergedacht und zur Dienstleistung weiterentwickelt werden, Stichwort: Mandatengeschäft. KI soll dabei helfen; frei werdendes Kapital soll ins Programm investiert werden. Allein eine Minute Nachrichtenproduktion kommt ihm zufolge auf Kosten von 98 Euro. Sendeleitung oder auch IT: Diese Dinge sollen in der neu formierten Gruppe aus einer Hand kommen.
Die Organisation mit einer Zentrale in Zürich nutzen auch Lammers Team und rfo mit einem oberbayerischen Sendegebiet zwischen Berchtesgaden und Miesbach. Bei rfo 2024 im Programm und von der BLM gefördert: Aus historischen Bildern und Geschichten wurden mit KI zehn regionale Programmschnipsel in Schwarz-Weiß.