Das Mehrfamilienhaus in Friesenheim, in dem der mutmaßliche Amokfahrer gelebt hat, befindet sich an einer Verkehrsachse im Stadtteil. Am Dienstagnachmittag sind die Medienteams, die hier am Vormittag versammelt waren, bis auf zwei Reporter eines privaten TV-Senders wieder abgezogen. Die Journalisten sprechen Passanten und Nachbarn an, weil sie erfahren wollen, was für ein Mensch der 40-jährige Täter ist. Im Quartier hat es sich unterdessen schon herumgesprochen, dass der Ludwigshafener, der am Rosenmontag mit seinem Kleinwagen durch die Mannheimer Fußgängerzone gerast ist, hier zu Hause ist, wie eine Passantin berichtet. Die ältere Frau und ihr Ehemann verweilen kurz vor dem Gebäude. Das Paar ist fassungslos über die Amokfahrt und die Folgen. Nur ein Wahnsinniger könne so etwas tun, meint die Frau erschüttert. Ihr Mann ergänzt, dass er sich angesichts der Vielzahl ähnlicher Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit nicht mehr sicher fühle. Beide distanzieren sich von der AfD, sind aber überzeugt, dass viele Menschen diese Partei wählen, weil sie der Meinung sind, dass sich etwas ändern muss. Besonders für die vielen Kinder im Viertel bedauern die Eheleute, dass alle Fasnachtsveranstaltungen abgesagt wurden. Nach Feiern ist den beiden auch nicht zumute.
Christiane Vopat