Angesichts erwarteter, anhaltender Minusgrade in den kommenden Tagen rät die Direktorin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Anne Rickmeyer, die Lage an den Deichen genau zu beobachten. Denn es lasse sich nicht pauschal sagen, inwieweit sich Frost positiv oder negativ auf die Deichstabilität auswirke, sagte die Behördenchefin der Deutschen Presse-Agentur. „Hier ist immer der Einzelfall zu betrachten. Für die Aufrechterhaltung des Hochwasserschutzes müssen die Witterungsverhältnisse immer berücksichtigt werden und sind nur ein Baustein in der Gesamtbewertung der Lage.“
Nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) werden am Samstag tagsüber Höchstwerte um den Gefrierpunkt in Niedersachsen erwartet. In der Nacht zum Sonntag soll es mäßigen Frost bei minus vier bis minus sieben Grad geben. Für die folgenden Tagen erwarten die Meteorologen meist auch tagsüber leichten Dauerfrost.
Wie genau Frost auf Deiche wirke, hänge von verschiedenen Bedingungen ab, teilte der Landesbetrieb auf Anfrage mit. Wenn ein Deich etwa ohne Wasserwirkung Frost ausgesetzt sei, verfestige sich der Boden in einer bestimmten Tiefe - abhängig von den Temperaturen und der Dauer. „Dies kann bei einem dann eintretenden Wassereinstau positiv auf die Standsicherheit und Dichtigkeit wirken.“
Allerdings ist die Lage zurzeit vielerorts anders: Die Pegelstände sind teils noch immer hoch und Wassermassen drücken gegen Deiche. „Steht bereits vor der Frostperiode relativ warmes Wasser am Deich an, so wird der Bereich unter dem Wasserspiegel nicht gefrieren und dort keine positiven Effekte eintreten“, teilte der Landesbetrieb weiter mit. Oberhalb des Wassers aber werde die Erdoberfläche des Deiches gefrieren und verhindern, dass weiterer Niederschlag in den Erdkörper eindringt. „Das wäre dann positiv zu werten“, hieß es.
Jan-Felix Jasch