Irans Präsident Ebrahim Raisi hat erstmals mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman telefoniert. In dem Gespräch beriet sich Irans Regierungschef mit dem faktischen Herrscher Saudi-Arabiens über die Lage in Nahost, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna am Mittwochabend berichtete. Das Gespräch dauerte demnach 45 Minuten. Nach Angaben aus dem Iran sei in dem Gespräch die «Einheit der islamischen Welt» betont worden.
Nach der Terrorattacke der islamistischen Hamas auf Israel hatten iranische Spitzenpolitiker den Angriff gelobt, eine direkte Verwicklung jedoch zurückgewiesen. Saudi-Arabien gilt als wichtige Schutzmacht der Palästinenser. Riad forderte am Samstag ein «sofortiges Ende der Eskalation» und warnte gleichzeitig vor einer «Entziehung der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes».
Jahrelang waren die Beziehungen zwischen den Regionalmächten Iran und Saudi-Arabien massiv angespannt. Im März hatten beide Staaten dann verkündet, wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen zu wollen. Nach einem Angriff von Demonstranten auf die saudische Botschaft in Teheran hatte Riad 2016 die diplomatischen Kontakte abgebrochen. Ihre Rivalität trugen das sunnitische Königreich sowie der mehrheitlich schiitische Iran auch bei militärischen Konflikten in der Region aus.
Gleichzeitig laufen derzeit Gespräche zwischen dem einflussreichen Ölstaat und Israel unter US-Vermittlung über eine mögliche Normalisierung ihrer Beziehungen. Dies könnte Experten zufolge folgenreiche Veränderungen in der Region auslösen. Der Iran hatte Saudi-Arabien bereits vor einer möglichen Normalisierung der Beziehungen mit seinem Erzfeind Israel gewarnt.