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Irans Präsident telefoniert erstmals mit saudischem Kronprinzen

03:55
12.10.2023
Irans Präsident Ebrahim Raisi hat erstmals mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman telefoniert. In dem Gespräch beriet sich Irans Regierungschef mit dem faktischen Herrscher Saudi-Arabiens über die Lage in Nahost, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna am Mittwochabend berichtete. Das Gespräch dauerte demnach 45 Minuten. Nach Angaben aus dem Iran sei in dem Gespräch die «Einheit der islamischen Welt» betont worden.

Nach der Terrorattacke der islamistischen Hamas auf Israel hatten iranische Spitzenpolitiker den Angriff gelobt, eine direkte Verwicklung jedoch zurückgewiesen. Saudi-Arabien gilt als wichtige Schutzmacht der Palästinenser. Riad forderte am Samstag ein «sofortiges Ende der Eskalation» und warnte gleichzeitig vor einer «Entziehung der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes».

Jahrelang waren die Beziehungen zwischen den Regionalmächten Iran und Saudi-Arabien massiv angespannt. Im März hatten beide Staaten dann verkündet, wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen zu wollen. Nach einem Angriff von Demonstranten auf die saudische Botschaft in Teheran hatte Riad 2016 die diplomatischen Kontakte abgebrochen. Ihre Rivalität trugen das sunnitische Königreich sowie der mehrheitlich schiitische Iran auch bei militärischen Konflikten in der Region aus.

Gleichzeitig laufen derzeit Gespräche zwischen dem einflussreichen Ölstaat und Israel unter US-Vermittlung über eine mögliche Normalisierung ihrer Beziehungen. Dies könnte Experten zufolge folgenreiche Veränderungen in der Region auslösen. Der Iran hatte Saudi-Arabien bereits vor einer möglichen Normalisierung der Beziehungen mit seinem Erzfeind Israel gewarnt.

dpa

Scholz: Flächenbrand in Nahost muss verhindert werden

21:35
11.10.2023
Bundeskanzler Olaf Scholz hat vor einer Eskalation des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern gewarnt. «Es besteht die Gefahr, dass das ein Flächenbrand werden kann», sagte Scholz am Mittwochabend in den ARD-«Tagesthemen». Es sei Aufgabe, zusammen mit Verbündeten dafür zu sorgen, damit das nicht geschehe.

Der Kanzler verwies auf Gespräche mit US-Präsident Joe Biden, weiteren westlichen Verbündeten, aber auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Scholz kündigte zudem an, mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sprechen zu wollen. Am Donnerstag trifft Scholz in Berlin Tamim bin Hamad Al Thani, den Emir von Katar. Der Golfstaat soll sich Vermittler zwischen Israel und der islamistischen Hamas angeboten haben.

Die Hamas hatte am Samstag vom Gazastreifen aus bei Angriffen auf das israelische Grenzgebiet mit mindestens 1200 Toten und rund 3000 Verletzten das schlimmste Blutbad unter Zivilisten seit Israels Staatsgründung angerichtet. Nach Schätzungen der israelischen Armee hat die Hamas zudem insgesamt etwa 150 Geiseln in ihrer Gewalt. Die Zahl der bei Luftangriffen Israels im Gazastreifen getöteten Palästinenser stieg auf mindestens 1100. Das Gesundheitsministerium in Gaza sprach zudem von 5300 Verletzten.

Scholz nannte es in der ARD «ganz furchtbar» zu sehen, wie Menschen in Israel getötet und Geiseln mit dem Leben bedroht werden. Man werde sich um die Freilassung der Entführten bemühen, dabei aber «diskret handeln» und mit Ländern in der Region sprechen, die Einfluss nehmen könnten.

Scharf kritisierte der Kanzler Demonstrationen, bei denen Angriffe der Hamas bejubelt werden. «Wir können das nicht akzeptieren», betonte Scholz. Es gebe hier auch strafbare Handlungen. «Da müssen und werden unsere Behörden hart hinterhergehen, damit diese Straftaten nicht ungesühnt bleiben», sagte Scholz.

Zugleich unterstrich er, dass es wichtig sei, jüdische Einrichtungen in Deutschland zu schützen. «Bitter genug, dass wir es tun müssen, aber wir werden dieser Pflicht nachkommen», sagte Scholz. Er bat alle Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung, die Sicherheit jüdischer Mitbürger zu gewährleisten und ihnen solidarisch zur Seite zu stehen.

Florent Comtesse