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Ist die Party vorbei? Die Streaming-Szene nach dem Corona-Boom

07:07
03.04.2022
Viele Bosse der Unterhaltungsbranche treffen sich an diesem Montag an der Côte d'Azur. Auf der weltgrößten Fernsehmesse «MIP TV» in Cannes ist der Hunger nach attraktiven Filmen und Serien riesig. «Die Streaming-Dienste sind dazu gezwungen, möglichst schnell neue Inhalte, Trends und Ideen zu identifizieren und zu kaufen, um im harten Wettbewerb zu bestehen», erläutert «MIP TV»-Chefin Lucy Smith im Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Denn nur, wenn das Angebot attraktiv bleibt, wird Netflix und seinen Konkurrenten die zahlende Kundschaft erhalten bleiben. Es große Herausforderung sei es, die Abonnenten zu halten und die Wachstumsraten weiter zu steigern. «Aber da nähern sie sich offenbar einer Grenze», so Smith.

Das Corona-Lockdown-Jahr 2020 brachte rekordverdächtige Zahlen mit sich. Netflix konnte nach eigenen Angaben 37 Millionen neue Abonnenten gewinnen, der Newcomer Disney+ erreichte laut seiner Bilanz innerhalb von nur 16 Monaten 100 Millionen Neukunden. Doch damit scheint jetzt der Höhepunkt des Streaming-Booms erreicht.

Der aktuelle NPAW Video Streaming Industry Report beispielsweise belegt, dass der Video-on-Demand-Verbrauch bei den befragten Streaming-Anbietern 2021 im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um neun Prozent zurückgegangen ist. Das Beratungsunternehmen Deloitte hatte im Dezember seine Prognose für 2022 veröffentlicht: Weltweit werden mehr als 150 Millionen Menschen ihr kostenpflichtiges Abo kündigen - mit einer globalen Abwanderungsrate von 30 Prozent.

Die Gründe: Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt und versuchen, sich gegenseitig das Publikum wegzunehmen. Und selbst bei der Masse an Konsumenten rechnen sich die hohen Investitionen in die teuren Produktionen immer noch nicht. Netflix etwa wird demnächst seinen bisher teuersten Film veröffentlichen: Die Auftragskiller-Geschichte «The Gray Man» mit Ryan Gosling und Chris Evans hat 200 Millionen Dollar gekostet. Es ist vorhersehbar, dass bei solch einem harten Verdrängungswettbewerb Anbieter auf der Strecke bleiben werden. Zumal sich bei dem immensen Ausstoß an hochwertigen Produktionen eine Frage stellt: Wer hat überhaupt noch die Zeit, sich das alles anzuschauen?

«Wie viel Investment können die Streamer verkraften, um die kostspieligen Produktionen zu finanzieren?», kommentierte Nico Hofmann die Situation. Aus Sicht des Ufa-Chefs («Unsere Mütter Unsere Väter») hängt das auch davon ab, wo das Geld herkommt: «Bei Amazon sind das andere Quellen als etwa bei Netflix oder Disney+.»

Nicht nur in seinen Erwägungen stellt sich die Frage: Wie viel Talent ist am Markt überhaupt noch vorhanden, um weiterhin die Inhalte zu realisieren? Hofmann jedenfalls, der für sämtliche Streamingdienste produziert, wird Cannes besuchen, um dort noch mehr Programme anzustoßen, die er auf dem Weltmarkt erfolgreich vermarkten möchte.

Die «MIP TV» in Südfrankreich, die am Montag beginnt, zeigt, was schon bald in Millionen Wohnzimmern über die Bildschirme flimmert. Nach zwei Jahren Corona-Pause werden über 5000 Verantwortliche von Sendern, Produktionsfirmen, Programmvertrieben, Internetplattformen und Medienkonzernen aus aller Welt an der Côte d'Azur erwartet.

(dpa)

Dobrindt hält Ende fast aller Corona-Schutzmaßnahmen für verfrüht

07:06
03.04.2022
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hält den weitgehenden Wegfall der staatlichen Corona-Auflagen wie 2G, 3G oder Maskenpflicht an diesem Sonntag für falsch. «In einer Zeit mit sehr hohen Infektionszahlen ist es verfrüht, fast alle Schutzmaßnahmen zu beenden», sagte der Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Er hätte sich ein Festhalten an der Maskenpflicht zum Beispiel beim Einkaufen gewünscht.

Dobrindt appellierte an die Bürger, sich weiter mit einer Maske gegen das Corona-Virus zu schützen - und zwar nicht nur dort, wo es weiter vorgeschrieben ist wie in Bussen und Bahnen. «Masken tragen bleibt sinnvoll. Auch außerhalb des öffentlichen Personenverkehrs ist es ratsam, weiter zum Eigenschutz Masken zu tragen.»

Der CSU-Landesgruppenchef kritisierte die Linie der Ampel-Koalition in der Corona-Politik: «Die Ampel-Regierung hat mit dem neuen Infektionsschutzgesetz den Instrumentenkasten der Länder abgeschafft und gleichzeitig maximale Rechtsunsicherheit geschaffen.»

Kritisch sieht Dobrindt dabei auch die Hotspot-Regelung, die es Ländern ermöglicht, Schutzmaßnahmen beizubehalten, wenn ihre Landesparlamente eine besonders kritische Corona-Lage feststellen. Davon machen vorerst nur Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern Gebrauch. Dobrindt sagte dazu: «Ganze Länder zum Hotspot zu erklären, während bei relativ vergleichbarem Infektionsgeschehen in ganz Deutschland die bundesweiten Regeln abgeschafft werden, halte ich für nicht begründbar.»

(dpa)

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