Wie geht es nun weiter? Die entschlossensten Befürworter von Waffenlieferungen plädieren dafür, dass Deutschland der Ukraine einfach alles geben soll, was sie haben will. Der
Verteidigungsexperte Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik hält diese Haltung für zu schlicht.
"Mit dieser Begründung könnte man gleich auch - ich überspitze jetzt bewusst - Atomwaffen liefern", sagt er. "Die Ehrlichkeit gebietet es zu sagen, dass
deutsche und ukrainische Interessen nicht immer deckungsgleich sind. Es mag im Interesse der Ukraine sein, auch noch die Krim zu befreien - aber vielleicht nicht im deutschen, weil wir auch in Zukunft noch mit Russland zusammenleben müssen."
Der Kern des Problems liegt für Kaim darin, dass
Deutschland seine eigenen Kriegsziele bisher nicht ausreichend klar definiert habe. Nach Meinung von Kaim müsste die Bundesregierung für sich selbst bestimmen, wie weit sie in dem Konflikt gehen will: "Wollen wir lediglich verhindern, dass die
russischen Streitkräfte noch weiter vorrücken? Oder wollen wir erreichen, dass die
ukrainische Armee die von Russland besetzten Gebiete in der Ostukraine zurückerobert - und vielleicht auch noch die Krim? Dann müssten wir natürlich noch viel, viel mehr Waffen liefern. Solange das nicht geklärt ist, wirkt der Bundeskanzler zwangsläufig wie ein Getriebener.»