"Frieden schaffen ohne Waffen" - diese Kernforderung des deutschen Pazifismus sieht der Politikwissenschaftler Ulrich Kühn durch den Ukraine-Krieg in Frage gestellt. "Und das eben dadurch, dass Putin so etwas einfach nicht respektiert", sagt Kühn der dpa.
Es sei nicht so, dass gewaltloser Widerstand gar keinen Erfolg habe, so Kühn. Das habe man zum Beispiel gesehen, als in von Russland eroberten Gebieten anfangs ukrainische Zivilisten spontan auf die Straße gegangen seien und Panzer zurückgedrängt hätten. "Aber man muss sich natürlich fragen, wie es weitergeht, wenn die andere Seite die Demonstranten einfach erschießt oder verschleppt." Was dann geschehe, habe man in Belarus erleben müssen, wo die mutigen Proteste gegen den Präsidenten Alexander Lukaschenko durch brutale Waffengewalt erstickt worden seien.