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Kiew glaubt an Kriegsende in zwei bis sechs Monaten

06:48
04.06.2022
Die ukrainische Präsidialverwaltung prognostiziert, dass der russische Angriffskrieg noch bis zu einem halben Jahr dauern kann. „Das kann sich noch zwei bis sechs Monate hinziehen“, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak im Interview mit dem oppositionellen russischen Online-Portal „Medusa“ mit Blick auf die mögliche Kriegsdauer am Freitagabend. Am Ende hänge es davon ab, wie sich die Stimmung in den Gesellschaften Europas, der Ukraine und Russlands verändere.

Verhandlungen werde es erst geben, wenn sich die Lage auf dem Schlachtfeld ändere und Russland nicht mehr das Gefühl habe, die Bedingungen diktieren zu können, sagte Podoljak. Er warnte dabei einmal mehr vor territorialen Zugeständnissen an Russland. Das werde den Krieg nicht beenden. „Weil es für die Russische Föderation - und das hat Herr (Wladimir) Putin mehrmals gesagt - prinzipiell ist, dass allein die Existenz der ukrainischen Staatlichkeit schädlich ist.“ Der russische Vormarsch ziele daher weniger auf die Eroberung konkreter Gebiete als auf die Zerstörung der Ukraine an sich.

Podoljak schätzte die russischen Verluste auf insgesamt 80.000 Menschen. Das seien Tote und Verwundete bei der regulären Armee, den Separatisten und der Söldnertruppe „Wagner“. Allerdings räumte er ein, dass nach einer für Moskau katastrophalen Anfangsphase des Kriegs mit bis zu 1000 Kriegstoten pro Tag die derzeitigen Verluste der russischen und ukrainischen Truppen „vergleichbar“ seien. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die eigenen Verluste jüngst auf täglich bis zu 100 Tote und 500 Verletzte beziffert.

dpa

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Freitag, 3. Juni

Analyse: Weniger Ukraine-Flüchtlinge in Großbritannien und Frankreich

20:16
03.06.2022
Großbritannien und Frankreich haben einer Berechnung des „Guardian“ zufolge bislang proportional deutlich weniger ukrainische Flüchtlinge aufgenommen als andere europäische Länder. Mit 65 700 Geflüchteten nahm Großbritannien bis Ende Mai etwa zehn Ukrainerinnen und Ukrainer pro 10.000 Einwohnern auf, wie die Zeitung am Freitag berichtete. Frankreich lag mit etwa neun Flüchtlingen pro 10.000 Einwohnern auf einem ähnlich niedrigen Niveau. Allerdings deuteten Zahlen von einzelnen Präfekturen darauf hin, dass die Gesamtzahl mittlerweile höher liegen könnte als die aktuellsten offiziellen Zahlen besagen, hieß es.

Für Deutschland errechnete der „Guardian“ eine Quote von 87 ukrainischen Flüchtlingen pro 10 000 Einwohner. Dies bezieht sich allerdings auf Zahlen vom 11. Mai. Spitzenreiter ist Polen mit 957 Kriegsflüchtlingen auf 10.000 Polinnen und Polen.

Anders als in anderen Ländern müssen Ukrainerinnen und Ukrainer vor ihrer Ankunft im Land Visa beantragen. Das britische Innenministerium verwies darauf, das eigene Visa-Programm sei unter den „größten und schnellsten“ der britischen Geschichte. Mittlerweile seien mehr als 120.000 Visa ausgestellt worden und der Prozess beschleunige sich Tag für Tag. Die große Differenz der Zahlen rührt daher, dass nicht alle Antragstellerinnen und Antragsteller auch bereits in Großbritannien sind. Einem Bericht des „Observer“ zufolge entscheiden sich viele Menschen aus der Ukraine um - unter anderem wegen erheblicher und vielfach kritisierter Verzögerungen bei der Abwicklung.

Dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zufolge haben seit Ausbruch des Krieges rund sieben Millionen Menschen ihre Heimat in der Ukraine in Richtung anderer europäischer Länder verlassen.

dpa