Deutschland muss sich nach Einschätzung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf eine längerfristige Aufnahme vieler ukrainischer Kriegsflüchtlinge einstellen. „Die Brutalität dieses Krieges, die Zerstörungen und die unabsehbare Dauer legen nahe, dass wahrscheinlich viele Menschen länger bei uns bleiben werden“, sagte Heil der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Darauf müssen wir uns einrichten.“ Rund 340.000 ukrainische Kriegsflüchtlinge sind bisher offiziell in Deutschland festgestellt.
Heil sagte: „Die Hilfsbereitschaft und Großherzigkeit, die es derzeit bei vielen von uns in Deutschland gibt, müssen wir als Staat und Gesellschaft durchhalten - wahrscheinlich für eine längere Zeit.“ Putins schrecklicher Krieg habe zur größten Fluchtwelle seit dem Zweiten Weltkrieg geführt.
„Die Brutalität dieses Kriegs und das unendliche Leid der Menschen in der Ukraine und der Geflüchteten lassen niemanden kalt“, sagte Heil, der davon berichtete, wie er mit Flüchtlingen in Unterkünften in seinem Wahlkreis in Niedersachsen gesprochen hatte. „Ein Mann etwa in meinem Alter erzählte, dass zwei Tage zuvor sein achtzehnjähriger Sohn gefallen sei.“ Jeder müsse von solch tragischen Schicksalen berührt sein.
Heil bekräftigte, dass nun konkret weitere Sprachkurse breit ausgerollt würden und die Qualifikationen der Betroffenen besser anerkannt werden sollten. In der vergangenen Woche hatten Bund und Länder beschlossen, dass ukrainische Flüchtlinge Grundsicherung bekommen können und von den Jobcentern betreut werden sollen. Dort soll auch Vermittlung zu Arbeitsstellen leichter möglich sein.
Bastian Angenendt