Verteidigungsministerin Christine Lambrecht sieht Russlands Ankündigung, im Norden der Ukraine seine Angriffe zu reduzieren, skeptisch. Alle Ankündigungen, die von Russland oder von Präsident Wladimir Putin gemacht würden, seien mit „großer Skepsis“ zu betrachten, sagte Lambrecht am Mittwoch in Washington nach einem Treffen mit ihrem US-amerikanischen Amtskollegen Lloyd Austin. „Es müssen den Worten Taten folgen, darauf kommt es jetzt an“, sagte die SPD-Politikerin weiter. Es gehe nun nicht darum, Truppen nur zu verlegen „und womöglich einen anderen Weg zu suchen, diesen brutalen Krieg weiterzuführen“.
Nach erneuten Friedensgesprächen hatte Russland zugesagt, die Kampfhandlungen bei Kiew und Tschernihiw zurückzufahren. Moskau erwartet einen neutralen Status der Ukraine. Moskau hatte sein Nachbarland Ukraine nach einem monatelangen Truppenaufmarsch vor fünf Wochen überfallen. Vor einigen Tagen hatte Russlands Verteidigungsministerium mitgeteilt, sich nun auf die komplette Eroberung des Donbass in der Ostukraine zu konzentrieren, wo schon seit 2014 gekämpft wird.
Über ihr Treffen mit dem US-Kollegen Austin sagte Lambrecht: „Natürlich stand bei diesem Austausch die Ukraine im Mittelpunkt.“ Putin sei es nicht gelungen, die Nato oder die EU zu spalten. „Wir sind verlässliche Partner. Darauf können sich insbesondere unsere Nato-Verbündeten an der Nato-Ostflanke verlassen. Ohne Wenn und Aber“, sagte Lambrecht. Jetzt gehe es darum, die Bundeswehr auszustatten, so dass sie ihren Auftrag der Landes- und Bündnisverteidigung erfüllen könne. Das müsse sehr schnell gehen, so Lambrecht. „Es ist Handeln gefordert, sehr zügig, weil die Bedrohung ist offensichtlich.“