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Internetseite der „Welt“ in Russland blockiert

15:20
10.07.2022
Russlands Behörden haben die Homepage der Tageszeitung „Welt“ blockiert. Auf Gesuch der Generalstaatsanwaltschaft ist die Seite des deutschen Mediums bereits seit Samstag aus dem russischen Internet heraus nicht mehr erreichbar, wie aus einem Register der russischen Medienaufsicht Roskomnadsor hervorgeht. Ein Grund wurde nicht genannt.

Die „Welt“ hatte nach Russlands Einmarsch in die Ukraine damit begonnen, unter dem Titel „Krieg in der Ukraine“ Nachrichten auch auf Russisch zu veröffentlichen. Zudem beschäftigte das Blatt zwischenzeitlich die russische Journalistin Marina Owsjannikowa, die Mitte März mit einer Protestaktion in Russlands Staatsfernsehen bekannt geworden war. Auf der „Welt“-Homepage wurde eine Meldung über die Blockade in Russland mit dem Schlagwort „Medienzensur“ versehen.

Russland führt seit mittlerweile viereinhalb Monaten Krieg gegen das Nachbarland Ukraine. Zugleich gehen die russischen Behörden seitdem verstärkt gegen unabhängige Medien vor. Zahlreiche Seiten wurden bereits blockiert. Kritische russische Redaktionen stellten unter dem Druck der Behörden oft ihre Arbeit ein.

Michael Rabba

Unionsaußenpolitiker lobt scheidenden Botschafter Melnyk

14:22
10.07.2022
Die Union hat dem jetzt abberufenen ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, große Verdienste bescheinigt. „Botschafter Melnyk hat in dieser schwierigen Zeit für sein Volk gekämpft“, sagte Außenpolitiker Roderich Kiesewetter (CDU) der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag). Er habe für die Ukraine „wichtige Verdienste geleistet“. So habe Melnyk bereits vor dem Beginn des russischen Angriffs auf das Land am 24. Februar auf die russische Bedrohung hingewiesen und um Unterstützung geworben.

Kiesewetter zeigte Verständnis für die manchmal etwas derbe Wortwahl des Botschafters. Der Außenexperte sagte: „Dass er hier nicht immer den diplomatischen Ton traf, ist angesichts der unfassbaren Kriegsverbrechen und des Leids für das ukrainische Volk mehr als verständlich.“

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte den 46-jährigen Diplomaten am Samstag aus Berlin abberufen. Ob Melnyk für einen anderen Posten im diplomatischen Dienst vorgesehen ist, blieb zunächst offen. Er war zuletzt mehrfach mit harscher Kritik - unter anderem an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) - aufgefallen.

Unter Druck geriet der Botschafter zudem wegen Äußerungen zum ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera, den er als „Freiheitskämpfer“ bezeichnete. Nationalistische Partisanen aus dem Westen der Ukraine waren 1943 für ethnisch motivierte Vertreibungen verantwortlich, bei denen Zehntausende polnische und jüdische Zivilisten ermordet wurden.

Michael Rabba

Zeit in Russland bewegt Hertha-Trainer Schwarz: „Sehr belastend“

12:22
10.07.2022
Für Hertha-Trainer Sandro Schwarz wirkt die emotionale Zeit als Chefcoach des russischen Spitzenclubs Dynamo Moskau während des Krieges immer noch nach. „Von Erleichterung kann man da nicht sprechen. Ich wäre erleichtert, wenn der Krieg beendet wäre. Ich glaube, da wären wir alle erleichtert. Es war sehr belastend. Aber ich habe zumindest mal diese Verantwortung nicht mehr gespürt nach dem letzten Spiel. Da wusste ich: Okay, du hast die Jungs bis zum Schluss durchgeführt. Die Jungs und Mädels, die ich da in meinem Umfeld hatte, das sind gute Menschen“, sagte der neue Coach des Berliner Fußball-Bundesligisten in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Schwarz erläuterte nochmals seine Beweggründe, trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine in Moskau zu bleiben. „Mein Bleiben hatte absolut nichts damit zu tun, dass wir auf Tabellenplatz zwei standen oder die Möglichkeit hatten, den Pokal zu holen. Auf keinen Fall. Mein Bleiben hatte einzig und allein mit zwei Punkten zu tun: Der klaren Haltung des Clubs zu diesem Angriffskrieg und mit meinen Spielern sowie meinem Staff. Wenn ich nur ansatzweise ein anderes Gefühl und anderes Wissen gehabt hätte, wäre ich sofort in den Flieger gestiegen. Das habe ich glasklar allen gegenüber kommuniziert“, sagte der 43-Jährige.

Jan-Felix Jasch