Letztes Update:
20220629041334

Rubel erklimmt trotz russischen Zahlungsausfalls Sieben-Jahres-Hoch

20:20
28.06.2022
Unbeeindruckt vom russischen Zahlungsausfall Anfang der Woche hat die Landeswährung Rubel am Dienstag ein neues Hoch gegenüber den Leitwährungen Dollar und Euro erklommen. „Der Dollar kostet das erste Mal seit dem 28. Mai 2015 weniger als 52 Rubel. Der Euro kostet erstmals seit dem 26. Mai 2015 weniger als 55 Rubel“, teilte die Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag nach Schließung der Moskauer Börse mit. Als Grund für die Rubelstärke führen die Währungsexperten der Agentur die bevorstehenden Steuerzahlungen in Russland und den hohen Ölpreis an.

Nachdem der Rubel kurz nach Beginn des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskriegs noch deutlich einbrach, ist er nun seit Monaten auf Erholungskurs und hat inzwischen den doppelten Wert seines Tiefstands erreicht. Selbst der am Dienstag von der Rating-Agentur Moody's festgestellte technische Zahlungsausfall Russlands konnte dem Anstieg des Rubels nichts anhaben. Hier handelt es sich freilich auch nicht um eine übliche Staatspleite, sondern um technische Probleme bei der Überweisung der Schuldzahlungen, die vom Westen blockiert werden.

Hintergrund der Rubelstärke sind aber auch drastische Beschränkungen der Devisengeschäfte durch die russische Zentralbank und die westlichen Sanktionen, die vor allem den russischen Import betreffen. Denn während Russlands Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas weiterhin sprudeln, ist der Import in Russland - unter anderem durch das westliche Embargo auf Hightech, Maschinen, Rüstungs- und Luxusgüter auf weniger als die Hälfte geschrumpft. Der Devisenbedarf ist dadurch ebenfalls deutlich zurückgegangen.

Michael Rabba

Kiew: Ukraine erhält mehr als 40 Leichen gefallener Soldaten

19:45
28.06.2022
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben erneut Leichen gefallener Soldaten aus den eigenen Reihen von Russland erhalten. „Die Ukraine hat die Körper von 46 heldenhaften Verteidigern für ihre würdige Bestattung zurückgeholt“, teilte das Ministerium für Reintegration in Kiew am Dienstag mit. 21 der Leichen seien von Verteidigern des Stahlwerks Azovstal aus dem von russischen Truppen eroberten Mariupol in der Ostukraine.

Die Übergabe habe im südostukrainischen Gebiet Saporischschja stattgefunden. Ob und wie viele Tote an die russische Seite übergeben worden seien, wurde nicht mitgeteilt. Eine russische Bestätigung lag zunächst nicht vor. Tags zuvor hatten Vertreter der abtrünnigen Region Donezk mitgeteilt, dass sie insgesamt 172 Leichen ukrainischer Soldaten auf dem Territorium von Azovstal gefunden hätten.

Die ukrainische Seite teilte zudem mit, dass es einen Gefangenenaustausch gegeben habe. Demnach kehrten 16 ukrainische Soldaten zurück, darunter zwei Offiziere. Fünf von ihnen seien schwer verletzt gewesen und hätten medizinisch behandelt werden müssen. Auch hierzu gab es noch keine Bestätigung von russischer Seite.

dpa

Zahl der Asylanträge in EU deutlich gestiegen

19:30
28.06.2022
Angesichts von Kriegen und Konflikten hat die EU-Asylbehörde EUAA im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg an Asylanträgen in der Europäischen Union verzeichnet. In den Mitgliedstaaten seien rund 648.000 Gesuche eingegangen, teilte die in Malta ansässige Behörde am Dienstag mit. Damit liege die Zahl um ein Drittel höher als ein Jahr zuvor. Die größten Gruppen an Antragsstellern bildeten Menschen aus dem Kriegsland Syrien (117.000) und aus Afghanistan (102.000), wo das Chaos nach dem Abzug internationaler Truppen und die Machtübernahme der Taliban im August eine Flüchtlingswelle auslösten.

Rund 23 600 Anträge und damit zwei Drittel mehr als noch 2020 stammten laut EUAA von unbegleiteten Minderjährigen. 70 Prozent der Gesuche entfielen auf Männer und die Hälfte aller Bewerber war im Alter zwischen 18 und 35 Jahren.

Die Behörden in den Mitgliedsstaaten fällten der EU-Agentur zufolge rund 535.000 Entscheidungen in erster Instanz, etwa jeder dritte Antrag wurde angenommen. 118.000 Menschen erhielten den Flüchtlingsstatus und 64.000 Schutz mit Unterstützung. Deutschland erhielt 2021 mit 191.000 die meisten Asyl-Anträge. Dahinter folgen Frankreich, Spanien und Italien.

Im laufenden Jahr wirkt sich in Europa die Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine, die am 24. Februar von Russland angegriffen wurde, deutlich aus. Jüngsten Zahlen der EUAA zufolge sprachen die EU-Behörden bislang mehr als 3,4 Millionen Ukraine-Geflüchteten vorübergehenden Schutz zu. Der Status gewährt den Menschen für ein Jahr eine Aufenthaltserlaubnis, mit der sie Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Bildung in den EU-Ländern erhalten, ohne dafür ein länger dauerndes Verfahren anstreben zu müssen.

dpa