Nach dem Rückzug der russischen Truppen aus der Nordukraine werden in immer mehr Orten Massengräber mit Zivilisten gefunden. Westlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew meldeten die Behörden den Fund Dutzender Leichen. „Nahe der Tankstelle von Busowa haben wir heute noch tote Zivilisten in einer Grube gefunden“, sagte der Gemeindevorsteher Taras Didytsch in der Nacht im ukrainischen Fernsehen. Auf der Trasse von Kiew nach Schytomyr seien zudem nahe der Hauptstadt Leichen bei beschossenen Autos gefunden worden.
Die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa warf Russland vor, in allen Regionen der Ukraine Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Kremlchef Wladimir Putin bezeichnete sie als den „Hauptkriegsverbrecher des 21. Jahrhunderts“. Die Ukraine habe 5.600 Fälle mutmaßlicher Kriegsverbrechen mit 500 Verdächtigen identifiziert.
Allein in der Region Kiew, die zum Teil wochenlang von russischen Streitkräften besetzt war, wurden bislang mehr als 1.200 Leichen gefunden, sagte Wenediktowa zu Sky News. Sie machte keine Angaben dazu, ob es sich bei den gefundenen Leichen ausschließlich um Zivilisten handelte.
Zu den dokumentierten Fällen gehöre auch der Raketenangriff vom Freitag auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk mit über 50 Toten. „Absolut, das ist ein Kriegsverbrechen“, sagte sie am Sonntag dem britischen Sender Sky News. Die Ukraine habe Beweise. Russland behauptet dagegen, es habe sich um eine ukrainische Rakete vom Typ „Totschka-U“ gehandelt.