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Friedensnobelpreisträger Muratow mit Farbe attackiert

18:55
08.04.2022
 Der russische Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow hat bei einem Anschlag mit roter Farbe nach eigenen Angaben Verletzungen an den Augen erlitten. Ärzte in der Wolga-Stadt Samara hätten Verätzung der Augen und der Bindehaut diagnostiziert. „Die Hornhaut ist heil“, teilte der Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ im Kurznachrichtendienst Twitter am Freitag mit. Er veröffentlichte ein Foto von sich im Bett. Russische Medien berichteten, der 60 Jahre alte Journalist sei am Donnerstagabend in einem Zug von Moskau nach Samara von zwei Männern angegriffen worden.

Ein 37 Jahre alter Mann sei festgenommen worden, der zweite Verdächtige werde gesucht, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf Ermittler. Medien berichteten, die beiden Männer seien zwei ehemalige Soldaten, die nicht einverstanden gewesen seien mit Muratows Kritik an Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Die beiden Männer mit medizinischen Masken sollen sich nach Angaben des russischen Innenministeriums am Kasaner Bahnhof in Moskau vor der Abfahrt unter einem Vorwand in den Zug geschlichen und dann Muratow in seinem Schlafabteil mit roter Ölfarbe übergossen haben.

Auf einem Foto war zu sehen, wie Muratows Gesicht, Oberkörper und Arme mit roter Ölfarbe überdeckt waren. „Die Augen brennen ganz fürchterlich“, teilte er bei Twitter mit. Er zeigte auch sein mit Farbe vollgespritztes Schlafwagenabteil und berichtete noch aus dem Zug über einen der Angreifer. „Er schrie: „Muratow, nimm' das für unsere Jungs.“"

Zu dem Anschlag bekannte sich eine militaristisch-nationalistische Gruppierung, die ein kurzes Video des Überfalls auf ihrem Telegram-Kanal „Verein Z der Fallschirmjäger“ veröffentlichte. Die Täter nannten die Attacke einen Racheakt für die in der Ukraine gefallenen russischen Soldaten. Der Eintrag und das Video wurden später gelöscht.

Regierungskritische Journalisten werden in Russland immer wieder Ziel von Anschlägen. Muratow hatte stets betont, sich nicht einschüchtern zu lassen. Das Erscheinen der Zeitung hatte er unlängst wegen des Drucks von russischen Behörden bis zur Beendigung des Krieges in der Ukraine vorübergehend eingestellt. Muratow hatte den Krieg von Kremlchef Wladimir Putin gegen die Ukraine öffentlich kritisiert.

Tom Rüdell

Kardinal Hollerich an der ukrainischen Grenze: Flüchtlinge unterstützen

18:32
08.04.2022
Spitzenvertreter der europäischen Kirchen haben bei einem Solidaritätsbesuch an der ukrainisch-polnischen Grenze zur Unterstützung für Geflüchtete aufgerufen. Die Ukraine sei das Zentrum Europas, „wo Menschen leiden, sterben, getötet, gequält und geschändet werden", sagte der Vorsitzende der katholischen EU-Bischofskommission COMECE, Kardinal Jean-Claude Hollerich, in einem am Freitag verbreiteten Video. Der Präsident der ökumenischen Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Christian Krieger, sagte, die Kirchen bekundeten der polnischen Bevölkerung Dank für die großherzige Aufnahme von mehr als zweieinhalb Millionen Flüchtlingen.

Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, erinnerte an die bevorstehende Karwoche, in der Christen des Todes Jesu gedenken. „Hier ist der Ort, wo unser Herr leidet", sagte der Kardinal. Aber die Kirche wisse auch um Ostern und die Auferstehung. Krieger ergänzte, der Besuch solle den Einsatz der Kirchen für Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden in Europa bekräftigen.

In einer gemeinsamen Osterbotschaft nannten die Kirchenvertreter die Aufnahme von Flüchtlingen vor allem in Polen ein „Zeichen der Hoffnung". Das beispiellose Engagement von Freiwilligen zeige „ein menschliches Gesicht inmitten der Tragödie".

Tom Rüdell