Nach Forderungen Deutschlands und Frankreichs will Russland nach eigenen Angaben an diesem Freitag einen neuen Anlauf für einen humanitären Korridor aus der umkämpften Hafenstadt Mariupol nehmen. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau kündigte am Donnerstagabend eine Feuerpause für den Morgen und den geplanten Beginn der Evakuierung von 9.00 Uhr MESZ an. Die Menschen sollten unter Beteiligung des Roten Kreuzes und des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen aus der Stadt herausgebracht werden, sagte der Generalmajor Michail Misinzew.
Der neuerliche Versuch für einen humanitären Korridor folge einem Appell von Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, teilte das Ministerium in Moskau weiter mit. Misinzew warf der ukrainischen Seite vor, sie habe die Evakuierung der Stadt am Donnerstag durch Beschuss verhindert. Tausende Menschen seien allerdings aus Mariupol herausgebracht worden.
Das russische Staatsfernsehen zeigt immer wieder Menschen - mutmaßlich aus Mariupol, die sich glücklich zeigen über ihre Rettung und darüber klagen, wochenlang nicht aus der Stadt gelassen worden zu sein. Moskau behauptet, ukrainische Nationalisten würden die Zivilisten in der Stadt halten, um sie als menschliche Schutzschilde zu benutzen und so eine Erstürmung der Stadt durch die russische Armee zu verhindern. Die Angaben der russischen und der ukrainischen Seite sind nicht unabhängig überprüfbar.
Jeff Wiltzius