Auch am Montag hat das russische Militär ukrainische Städte aus der Luft angegriffen. Allein in der Millionenstadt Charkiw im Osten des Landes wurden seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor gut einem Monat ukrainischen Angaben zufolge fast 1.180 mehrgeschossige Wohnhäuser zerstört. In Istanbul könnten am Dienstag laut Kreml neue Verhandlungen zwischen Delegationen aus der Ukraine und aus Russland beginnen.
Kiew: Erfolgreiche Gegenangriffe
Russische Truppen wollen ukrainischen Angaben zufolge weiterhin Verteidigungslinien im Umkreis von Kiew durchbrechen. Im Nordwesten und im Osten wehre die ukrainische Armee Versuche russischer Soldaten ab, die Kontrolle über wichtige Straßen und Siedlungen zu übernehmen. Bei den ukrainischen Gegenangriffen in der Umgebung von Charkiw seien russische Truppen aus mehreren Ortschaften verdrängt worden, sagte der regionale Militärchef Oleg Synegubow auf Telegram. Der ukrainische Generalstab berichtete auch von Kämpfen in anderen Landesteilen - darunter in den Regionen Mykolajiw und Saporischschja. Auch diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Kreml: Neue Verhandlungen in Istanbul möglich
„Wir erwarten, dass das theoretisch morgen passieren könnte“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge zu neuen Verhandlungen. Zuvor hatte bereits der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski mitgeteilt, dass nach rund zweiwöchigen Online-Verhandlungen ein physisches Aufeinandertreffen ab Dienstag geplant sei. Die Unterhändler aus der Ukraine und aus Russland waren bereits dreimal im Grenzgebiet von Belarus zusammengetroffen. Die Verhandlungen gestalten sich aber als äußerst schwierig. Kiew will etwa einen Abzug der russischen Truppen und Sicherheitsgarantien. Moskau fordert einen Nato-Verzicht der Ukraine sowie eine Anerkennung der abtrünnigen ostukrainischen Separatistengebiete als eigene Staaten und der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim als Teil Russlands.
Derweil forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit russischen Journalisten einen Abzug russischer Truppen von ukrainischem Territorium. Erst dann könne es Sicherheitsgarantien für die Ukraine geben, die wiederum Grundlage für den von Moskau geforderten Nato-Verzicht der Ukraine seien.
G7-Staaten lehnen Gaszahlungen in Rubel ab
Die Gruppe der sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) erteilte russischen Forderungen nach einer Begleichung von Gas-Rechnungen in Rubel eine Absage. Das sagte der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck in Berlin nach einer virtuellen Besprechung mit den G7-Energieministern. Die G7-Minister seien sich einig gewesen, dass die Forderungen nach einer Zahlung in Rubel „ein einseitiger und klarer Bruch der bestehenden Verträge“ sei. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vergangene Woche angekündigt, Gas-Lieferungen an „unfreundliche Staaten“ nur noch in Rubel abzurechnen.
Biden dementiert Forderung nach Machtwechsel in Russland
US-Präsident Joe Biden dementierte, dass er bei seiner Rede in Warschau den Sturz des russischen Präsidenten gefordert habe. Eine Reporterin fragte Biden am Sonntagabend: „Herr Präsident, wollen Sie, dass Putin (von seinem Amt) entfernt wird? Herr Präsident, haben Sie einen Regimewechsel gefordert?“ Biden antwortete: „Nein.“ Biden hatte Putin am Samstagabend einen „Diktator“ genannt und gesagt: „Um Gottes willen, dieser Mann kann nicht an der Macht bleiben.“