Der im Straflager inhaftierte Kremlgegner Alexej Nawalny hat die Menschen in Russland zu Protesten gegen den Krieg im Nachbarland Ukraine aufgerufen. Protestiert werden solle jeden Tag - „wo auch immer ihr seid: in Russland, Belarus oder auf der anderen Seite des Planeten“, hieß es am Mittwoch auf Nawalnys Twitter-Account.
„Wir, Russland, wollen eine Nation des Friedens sein. Leider Gottes würden uns nur wenige Menschen derzeit so nennen. Aber lasst uns zumindest nicht zu einer Nation ängstlicher, stiller Menschen werden“, hieß es weiter.
Der 45-Jährige rief dazu auf, sich trotz drohender Festnahme auf die Straße zu trauen. Die russischen Behörden warnen eindringlich vor einer Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. In den vergangenen Tagen wurden Bürgerrechtlern zufolge russlandweit bereits Tausende Menschen bei Anti-Kriegs-Demos festgenommen.
„Um den Krieg zu stoppen, müssen wir die Gefängnisse und Gefangenentransporter füllen“, hieß es nun auf Nawalnys Account. „Alles hat seinen Preis. Und nun, im Frühling 2022, müssen wir diesen Preis bezahlen.“
Nawalnys „rechte Hand“ Leonid Wolkow hatte im Januar 2021 im Interview mit dem Luxemburger Wort das Thema Verhaftungen angesprochen und aus eigener Protesterfahrung zwei Ratschläge gegeben: „Niemals einen russischen Polizisten anfassen, noch nicht einmal leicht - dann wird man direkt angeklagt. Zweiter Ratschlag: Für zehn Tage inhaftiert zu werden, ist nicht dramatisch.“