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Foto: Kay Nietfeld Gerhard Schröder

Deutscher Altkanzler Schröder unter Druck

17:43
01.03.2022
Vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine wächst der Druck auf den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Mehrere Mitarbeiter wollen sich nach Medieninformationen von Schröder trennen.

CDU-Generalsekretär Mario Czaja forderte das Ende von Schröders Verbindungen zu russischen Unternehmen binnen 48 Stunden. Aus der CDU/CSU, aber auch aus der SPD kam die Forderung, Schröder die sogenannte Amtsausstattung zu entziehen. Schröder war von 1998 bis 2005 deutscher Regierungschef, als solchem steht ihm zum Beispiel ein Büro mit Mitarbeitern und ein Dienstwagen zu. 

Das Nachrichtenportal „The Pioneer“ und die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichteten am Dienstag, nach mehr als 20 Jahren kehre sein langjähriger Büroleiter und Redenschreiber Albrecht Funk Schröder den Rücken. Auch drei weitere Mitarbeiter gäben ihren Posten auf. Von Schröder und seinem Büro war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Mit dem Abschied der vier Mitarbeiter wäre das Büro des Altkanzlers verwaist. Angeblich habe es Differenzen zwischen Funk und Schröder wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine gegeben, heißt es in dem „Pioneer“-Bericht. So solle Funk seinem Chef eine schnelle und klare Distanzierung von Kremlchef Wladimir Putin sowie einen Rücktritt von allen Aufsichtsratsmandaten in russischen Unternehmen empfohlen haben. Von solchen Schritten oder Überlegungen Schröders ist bisher nichts bekannt.

Der frühere Bundeskanzler gilt als langjähriger Freund Putins. Schröder ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft und hat auch Führungspositionen bei den Pipeline-Projekten Nord Stream und Nord Stream 2. Am vergangenen Donnerstag hatte er die Regierung in Moskau im Online-Netzwerk LinkedIn zwar aufgefordert, den Krieg in der Ukraine schnellstmöglich zu beenden. Von persönlichen Konsequenzen war aber nicht die Rede.

Die beiden ehemaligen Luxemburger Wirtschaftsminister Etienne Schneider und Jeannot Krecké gaben am vergangenen Wochenende nach heftiger Kritik ihre Posten im Verwaltungsrat zweier russischer Unternehmen auf.

Borussia Dortmund will Schröder Ehrenmitgliedschaft entziehen
„Sollte Gerhard Schröder weiterhin an seinen Positionen festhalten, könnten wir dies als BV. Borussia 09 e.V. Dortmund nicht akzeptieren und würden eine entsprechende Entscheidung treffen“, teilte der Verein dem Nachrichtensender Welt TV mit.

Ringier legt Schröders Beratermandat auf Eis
„Ringier sistiert das Beratermandat mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder per sofort und bis auf Weiteres. Dies in gegenseitigem Einvernehmen“, heißt es in der zweizeiligen Mitteilung, die Ringier am Dienstag auf seiner Webseite veröffentlichte. 
Schröder war seit 2006 für Ringier tätig. Zum Unternehmen gehören die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ sowie Zeitschriften, Fernsehsender und Online- und Unterhaltungsdienste. 2017 hatte ein Ringier-Sprecher Schröders Aufgabe so umrissen: Schröder berate als „erfahrener Staatsmann mit herausragenden politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen“ den Verleger und die Geschäftsleitung „mit seinem umfassenden Know-how im Bereich der internationalen Geschäftsfelder“.

Tom Rüdell