Ein internationaler Bericht wirft Russland den massiven Einsatz geächteter Streubomben in der Ukraine vor. Allein in den ersten fünf Monaten seit Beginn des russischen Angriffs am 24. Februar wurden dadurch mindestens 215 ukrainische Zivilisten getötet und 474 verletzt, wie aus dem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Jahresbericht der Koalition gegen Streumunition (CMC) hervorgeht. Auch ukrainische Streitkräfte setzten demnach in mindestens drei Fällen Streumunition ein.
Die Ukraine ist dem „Cluster Munition Monitor 2022“ zufolge derzeit das einzige Land weltweit, in dem die wegen ihrer unkontrollierten Verteilung der Sprengsätze gefürchtete Munitionsform verwendet wird. Weder Russland noch die Ukraine schlossen sich dem vertraglichen Bann dieser umstrittenen Waffen an, den seit 2008 inzwischen 110 Staaten ratifizierten.
Mit mindestens 689 Toten oder Verletzten in der Ukraine liegt die Zahl der zivilen Streubomben-Opfer bereits jetzt ein Mehrfaches höher als im gesamten vergangenen Jahr. 2021 kamen laut dem Bericht weltweit 149 Menschen zu Schaden, vor allem in Syrien, Irak und Laos. Ausnahmslos handelte es sich um Unfälle mit Blindgängern. Häufig waren Kinder betroffen.
Die breite Verwendung dieser Waffen durch Russland zeige eine „eklatante Missachtung gegenüber Menschenleben, humanitären Grundsätzen und gesetzlichen Normen“, erklärte Mary Wareham, Co-Autorin des Berichts. Sie verlangte eine klare Verurteilung des Einsatzes von Streumunition in der Ukraine. Es gelte „die Stigmatisierung dieser Waffen zu verstärken und der Bedrohung, die sie darstellen, ein Ende zu setzen“.
In der Koalition gegen Streumunition haben sich mehrere Menschenrechtsorganisationen und Initiativen zusammengeschlossen, darunter Human Rights Watch, Amnesty International und Humanity & Inclusion (früher Handicap International), aber auch kirchliche Organisationen wie Pax Christi und DanChurchAid. Ihr Bericht erscheint im Vorfeld der Jahrestagung der Mitgliedstaaten der Streubomben-Konvention, die vom 30. August bis 2. September in Genf stattfindet.