Die für Teile Vorpommerns zuständige Bundestagsabgeordnete Anna Kassautzki hat Äußerungen seitens des Landkreises Vorpommern-Greifswald zur bevorstehenden berufsbezogenen Corona-Impfpflicht kritisiert. «Die Ankündigung durch den Landkreis Vorpommern-Greifswald, die Impfpflicht im Gesundheits- und Pflegebereich nicht durchsetzen zu wollen, ist ein Bruch unserer demokratischen Ordnung», teilte die SPD-Politikerin am Mittwoch mit.
Landkreissprecher Achim Froitzheim hatte am Dienstag erklärt, der Landkreis werde die entsprechende Impfpflicht nicht durchsetzen können. Er verwies auf die coronabedingte Belastung des Gesundheitsamtes und Teilen der Verwaltung. «Die Kontrolle und Durchsetzung dieser einrichtungsbezogenen Impfpflicht können wir deshalb nicht erfüllen.» Am Mittwoch wehrte sich Froitzheim gegen den Eindruck, der Landkreis wolle sich nicht an Gesetze halten. Er sei an diese gebunden. Er habe vielmehr darauf aufmerksam machen wollen, dass die Kapazitäten fehlten.
Kassautzki betonte: «Unser Grundgesetz und die Landesverfassung MV sieht eine klare Aufgabenerfüllungspflicht des Landkreises, die Kontrolle der beschlossenen Impfpflicht durchzusetzen.» Sie übte scharfe Kritik an Landrat Michael Sack (CDU). Dieser sei «offensichtlich mit der Führung des Landkreises in der Pandemie überfordert».
Unterdessen erklärten auch die Gesundheitsämter der übrigen Kreise im Nordosten, sie sähen sich nicht in der Lage, die Impfpflicht für Beschäftigte in Krankenhäusern, Arztpraxen, Behinderteneinrichtungen und Pflege zu kontrollieren. Das teilte der Landkreistag in einem Schreiben an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mit, wie der Geschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes, Matthias Köpp, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte. Zuerst hatte der Sender Ostseewelle berichtet.
Mitte Dezember war die sogenannte einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht beschlossen worden: Beschäftigte in Einrichtungen mit schutzbedürftigen Menschen wie Kliniken und Pflegeheime müssen bis zum 15. März 2022 nachweisen, dass sie gegen Corona geimpft oder von Corona genesen sind.
(dpa)