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Drosten sieht in Omikron-Variante eine Chance

07:42
16.01.2022
Die Omikron-Variante kann nach Ansicht des Virologen Christian Drosten eine Chance sein, in den endemischen Zustand zu kommen. Voraussetzung sei aber breite Immunität. Zudem setzt er auf einen «Meilenstein» in der Bekämpfung des Coronavirus.

Berlin (dpa) - Der Virologe Christian Drosten sieht in der milder verlaufenden Omikron-Variante des Coronavirus eine «Chance» und macht Hoffnung auf ein Leben wie vor der Pandemie. Auf die Frage, ob «wir jemals wieder so leben werden wie vor der Pandemie», sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité dem «Tagesspiegel am Sonntag»: «Ja, absolut. Da bin ich mir komplett sicher.» Zwar müssten noch ein paar Jahre lang Masken in bestimmten Situationen getragen werden, was nerven werde. Es werde aber auch «ein paar Benefits» geben: Das Virus habe die Medizin vorangebracht. «Die mRNA-Technologie ist ein Riesen-Durchbruch, auch für Krebs und für andere Infektionskrankheiten, denken wir allein mal an Influenza.»

Drosten sagte, alle Menschen müssten sich früher oder später mit Sars-Cov-2 infizieren. «Ja, wir müssen in dieses Fahrwasser rein, es gibt keine Alternative», beantwortete er die entsprechende Frage. «Wir können nicht auf Dauer alle paar Monate über eine Booster-Impfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung erhalten.» Das müsse das Virus machen. «Das Virus muss sich verbreiten, aber eben auf Basis eines in der breiten Bevölkerung verankerten Impfschutzes» - sonst würden «zu viele Menschen sterben». Die abgeschwächte Infektion auf dem Boden der Impfung, das ist so etwas wie ein fahrender Zug, auf den man aufspringt. Irgendwann muss man da aber auch mal drauf springen, sonst kommt man nicht weiter.»

Die gute Nachricht sei: Im Moment fahre der Zug angenehm langsam, denn Omikron habe eine verringerte Krankheitsschwere. Auf die Frage, ob er Omikron als Chance sehe, in den endemischen Zustand zu kommen, sagte der Virologe: «Es wäre eine Chance jetzt, breite Immunität vorausgesetzt.» Zumal niemand ausschließen könne, dass der Zug auch wieder schneller werde.

Drosten sagte, die Bevölkerungsimmunität bei Erwachsenen entwickele sich in eine klare Richtung: «Die Bevölkerung baut Immunität auf und behält die auch.» Deutschland sei jetzt «in dem Prozess», bald die Pandemie für beendet erklären und die endemische Phase ausrufen zu können. «Aber wegen des hohen Anteils Älterer in der Bevölkerung müssen wir das in Deutschland über Impfungen machen. Über natürliche Infektionen würden viel zu viele Menschen sterben», sagte Drosten der Zeitung. Deutschland habe schon «ein ganzes Stück dieses Weges geschafft über Impfungen», müsse ihn jetzt aber «zu Ende gehen, damit wir im Laufe des Jahres 2022 in die endemische Phase kommen und den pandemischen Zustand für beendet erklären können».

Drosten sieht als «nächsten Meilenstein» in der Bekämpfung des Coronavirus eine «Lebend-Impfung» mit einem abgeschwächten Virus oder einer modernen Variante davon. «Die müsste man in die Nase geben und so dann Schleimhaut-Immunität auslösen. Das wäre ein viel besserer Übertragungsschutz, es wäre der nächste Meilenstein.»

Im nächsten Winter rechne er aber noch einmal mit einer starken Inzidenz-Erhöhung. «Und wir werden wohl auch wieder Masken tragen müssen in Innenräumen, weil der Übertragungsschutz noch einmal ein wenig sinken wird und die Vulnerablen in der Bevölkerung geschützt werden müssen.»

(dpa)

Schulze: Afrika keine Resterampe für abgelaufene Impfstoffe

07:41
16.01.2022
Entwicklungsministerin Svenja Schulze rügt die ungleiche Verteilung der Corona-Impfungen weltweit. «In Europa liegt die Impfquote bei 70 Prozent, auf dem afrikanischen Kontinent unter zehn Prozent», sagte die SPD-Politikerin der Funke-Mediengruppe. Besiegt werden könne die Pandemie aber nur, wenn die ganze Welt geimpft werde. «Gelingt dies nicht, gehen wir in eine Endlosschleife mit immer neuen Mutationen.»

Zugleich kritisierte sie, dass Impfstoffe gespendet werden, die kurz vor dem Ablaufen sind. «Das hat nichts mit respektvollem Umgang miteinander zu tun. Afrika ist nicht die Resterampe für abgelaufene Impfstoffe», sagte sie. Auch Entwicklungsländer brauchten planbare Lieferungen, um die Vakzine auch verimpfen zu können. «Wenn sich das nicht schnell ändert, geht in diesen Ländern viel Vertrauen verloren.»

Darum wolle sie die deutsche G7-Präsidentschaft dazu nutzen, das internationale Impfstoffprogramm Covax mit den nötigen Mitteln für 2022 auszustatten. Leider beteiligten sich bisher noch zu wenige Länder an der Finanzierung, klagte Schulze. «Neben Schweden, Norwegen, Kanada und den USA sind wir diejenigen, die am meisten geben. Die anderen Industriestaaten haben erheblichen Nachholbedarf.»

Covax hatte am Samstag die Milliardenmarke bei der Auslieferung von Corona-Impfdosen geschafft. Den Meilenstein verkündete Gavi, die Impfallianz aus Regierungen, Firmen, Stiftungen und UN-Organisationen, die das Covax-Programm durchführt.

Covax hat inzwischen 144 Länder beliefert. Die Allianz versorgt vor allem ärmere Länder, die kein Geld haben, um die Impfstoffe selbst zu bestellen. Das Programm hat mehr als zehn Milliarden Dollar (8,8 Mrd Euro) an Spenden benommen.

(dpa)

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