Trotz Kritik hält die Narrengilde Lörrach an ihren Plänen fest, die Fastnacht coronabedingt in den Sommer zu verlegen. Geplant sei ein buntes Sommerfest, das bewusst nicht Fastnacht heißen solle, sagte Obergildenmeister Jörg Rosskopf der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem der Umzug werde in die Pfingstferien verlegt, aber nicht alle Programmpunkte der Fastnacht.
Dafür sprechen laut Rosskopf drei Gründe: «Erstens sind die Zeiten gerade nicht lustig für die Menschen.» Da solle das Stadtfest Ablenkung bieten. Zudem drohe den Vereinen bei einem Aussetzen Nachwuchsmangel. Diese bräuchten die Veranstaltungen auch, um Geld einnehmen zu können. «Was nützt die schönste Tradition, wenn die Vereine nicht mehr da sind?» Mehrere Medien hatten darüber berichtet.
Der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle, hält die Pläne für «völlig daneben». Die Fastnacht gehöre in eine bestimmte Zeit. «Das ist einer der Höhepunkte des Jahreslaufs, die auch ein bisschen den Alltag unterbrechen sollen», sagte Wehrle. «Niemand käme auf die Idee, Weihnachten pandemiebedingt zu verschieben oder Ostereier im Sommer zu suchen, weil im Frühjahr noch Schnee liegt.»
Rosskopf hielt dem entgegen, das Lörrach - anders als etwa Villingen und Rottweil - keine althistorische Fastnacht habe. «Da könnte ich die Kritik in einem gewissen Grad nachvollziehen. Aber die Fastnacht in Lörrach, wie sie heute ist, ist 1936 entstanden.» Wurzeln reichten bis 1860 zurück, erläuterte er. «Ich sage immer: Eine Prise Basel, eine Prise schwäbisch-alemannische Fastnacht und eine Prise Karneval - und heraus kommt die Fastnacht in Lörrach.» Er habe schon viele Anfragen aus anderen Regionen Baden-Württembergs und der Schweiz, an dem geplanten Sommerfest teilnehmen zu können, sagte Rosskopf.
Wehrle kritisierte zudem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der in einem Interview mit Blick auf die derzeitige Corona-Lage wenig Hoffnung auf eine normale Session gemacht hatte. «Mir wäre tatsächlich ein Sommer-Karneval lieber», sagte er im WDR. Wehrle sagte: «Die Fastnacht sollte da bleiben, wo sie hingehört.»
Die Kölner Karnevalisten hatten Lauterbach in einem offenen Brief ebenfalls für dessen Aussagen über die närrische Zeit kritisiert. «Es ist schade, wie wenig Sie als Rheinländer über den Karneval wissen. Sonst würden Sie sich nicht öffentlich eine Verlegung der Karnevalsaktivitäten in den Sommer wünschen», schrieb der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, an den im rheinischen Düren geborenen Lauterbach. Die Düsseldorfer Jecken hingegen halten es ähnlich wie Lörrach: Sie haben den Rosenmontagszug wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr auf den 29. Mai verschoben.