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Bundesländer verschärfen Corona-Regeln - sofort oder nach Weihnachten

09:36
24.12.2021
Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus werden Kontakte im privaten und öffentlichen Leben weiter eingeschränkt. Spätestens vom 28. Dezember an bleiben überall in Deutschland Diskotheken geschlossen, überregionale Großveranstaltungen finden vor leeren Rängen statt, haben Bund und Länder vereinbart. Bei privaten Treffen soll generell eine Obergrenze von zehn Personen gelten - auch für Geimpfte und Genesene. Ausgenommen sind Kinder unter 14 Jahren. Doch nicht alle Länder wollen mit der verstärkten Pandemiebekämpfung bis nach dem Weihnachtsfest warten. Die Regeln im Einzelnen:

BADEN-WÜRTTEMBERG: Neue Vorschriften der Corona-Verordnung werden von diesem Montag (27. Dezember) an gelten - also unmittelbar nach Weihnachten. Das hatte die grün-schwarze Landesregierung am Donnerstag entschieden. Es gibt nun auch eine Sperrstunde in der Gastronomie. Sie beginnt um 22.30 Uhr und läuft bis 05.00 Uhr morgens. In der Silvesternacht beginnt die Sperrstunde erst 01.00 Uhr. Die neue Verordnung gilt zunächst bis zum 24. Januar.

BERLIN: In der Hauptstadt gelten die Kontaktbeschränkungen für Geimpfte und Genesene wie vereinbart ab dem 28. Dezember. Kultur- oder Sportveranstaltungen bleiben unter strengen Hygiene-Bedingungen und mit reduzierten Obergrenzen erlaubt. Clubs dürfen weiter öffnen, allerdings wird das Tanzen untersagt.

BAYERN: Auch die Landesregierung Bayern setzt den Bund-Länder-Beschluss zum 28. Dezember um. Ab Dienstag dürfen sich dann nur noch maximal zehn Geimpfte und Genesene privat treffen - dies gilt bei privaten Zusammenkünften außerhalb der Gastronomie. Das bislang für große überregionale Sportveranstaltungen geltende Zuschauerverbot gilt künftig zudem für große überregionale Kulturveranstaltungen und vergleichbare Veranstaltungen.

BRANDENBURG: Höchsten zehn Menschen bei privaten Treffen - das gilt ab Montag ebenfalls für Brandenburger Geimpfte und Genesene. Andere Verschärfungen bleiben in Kraft. Dazu zählt die nächtliche Ausgangsbeschränkung für Ungeimpfte in Hotspot-Regionen. Für Demos im Freien gilt eine Obergrenze von 1000 Teilnehmern plus Maskenpflicht und Mindestabstand. An Silvester sind Ansammlungen verboten, für belebte Plätze gilt ein Böllerverbot.

BREMEN: Im kleinsten Bundesland sind von Heiligabend an Clubs und Diskos geschlossen, Tanzveranstaltungen sind verboten. Im Einzelhandel und in der Gastronomie, in Kultur und Sport gilt 2G. Die Beschränkungen der Kontakte für Ungeimpfte bestehen fort - ein Haushalt darf sich nur mit zwei weiteren Personen anderer Haushalte treffen. Ab dem 28. Dezember werden wie in den anderen Bundesländern auch private Treffen für alle auf bis zu zehn Personen begrenzt.

HAMBURG: In der Hansestadt sollen alle Maßnahmen der Eindämmungsverordnung am 24.12. in Kraft treten, inklusive der Kontaktbeschränkung für Geimpfte und Genesene auf zehn Personen. Außerdem gilt eine Sperrstunde für die Gastronomie ab 23.00 Uhr. Nur in der Silvesternacht dürfen Restaurants, Bars und Kneipen bis 1.00 Uhr am Neujahrsmorgen offen bleiben. Stehtische in der Gastronomie dürfen nicht mehr genutzt werden. Zudem gibt es ein Tanzverbot, das faktisch der Schließung von Clubs und Diskotheken gleichkommt.

HESSEN: In der Öffentlichkeit dürfen sich ab 28. Dezember nur noch Gruppen von maximal zehn Menschen treffen. Sind Ungeimpfte dabei, gelten die noch strengeren Regeln (ein Haushalt plus maximal zwei Menschen eines weiteren Haushalts). Im privaten Bereich bleibt es in Hessen aber bei einer dringenden Empfehlung für diese Kontaktbeschränkungen. Der Betrieb von Tanzlokalen wird landesweit untersagt. Die Obergrenze für alle Veranstaltungen drinnen oder draußen liegt in Hessen von Dienstag an bei 250 Teilnehmern.

MECKLENBURG-VORPOMMERN: Im Nordosten gelten die verschärften Kontaktbeschränkungen schon von Heiligabend (Freitag) an. Clubs und Diskotheken sind schon seit Längerem geschlossen. Zum 27. Dezember müssen zudem Kinos, Theater, Museen, Schwimmbäder oder andere Freizeiteinrichtungen im ganzen Land schließen, weil die landeseigene Corona-Ampel seit mehreren Tagen auf Rot steht.

NIEDERSACHSEN: Die von Bund und Ländern beschlossenen verschärften Kontaktbeschränkungen greifen in Niedersachsen vom 27. Dezember an. Das Land hatte jedoch bereits eine sogenannte Weihnachtsruhe verhängt, die mindestens bis zum 15. Januar andauern soll. Clubs müssen bereits von Heiligabend an schließen, Veranstaltungen mit mehr als 500 Menschen sind verboten. Zu Weihnachten dürfen sich maximal 25 geimpfte oder genesene Menschen treffen - Kinder zählen auch dazu. Für Ungeimpfte sind die Vorschriften strenger: Ein Haushalt darf sich nur mit zwei Personen eines weiteren Haushalts treffen.

NORDRHEIN-WESTFALEN: Im Westen Deutschlands treten die Kontaktbeschränkungen für immunisierte Personen ebenfalls zum 28. Dezember in Kraft. Eine Begrenzung auf eine bestimmte Zahl von Hausständen gibt es hier nicht, Kinder bis einschließlich 13 Jahren werden nicht mitgezählt. Der MPK-Beschluss zum Zuschauerverbot bei Großveranstaltungen wird eins zu eins für NRW übernommen. Zudem werden Maskenpflichten und 2Gplus-Regel für den Freizeitbereich ausgedehnt.

RHEINLAND-PFALZ: Leere Zuschauerränge sind in Rheinland-Pfalz bereits seit Donnerstag bei überregionalen Sport-, Kultur- und anderen Großveranstaltungen vorgeschrieben. Ab Dienstag gelten dann auch die weitergehenden Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich.

SAARLAND: Im kleinsten Flächenland werden die Kontaktbeschränkungen für Genesene und Geimpfte ebenfalls zum 28. Dezember umgesetzt. Bereits zum Weihnachtsfest gilt im Saarland die Regelung, dass Ungeimpfte oder Nicht-Genesene mit Personen aus dem eigenen Haushalt und maximal zwei Personen aus einem weiteren Haushalt zusammenkommen dürfen. Bislang durfte höchstens eine Person aus einem weiteren Haushalt hinzukommen. Hochschulen müssen Studierenden eine Teilnahme an Lehrveranstaltungen in digitaler Form ermöglichen, wenn diese keinen 2G-Nachweis (geimpft oder genesen) erbringen können.

SACHSEN: Der Freistaat hat seine Notfallverordnung angepasst. In Sachsen galten allerdings wegen hoher Infektionszahlen schon seit 19. November Kontaktbeschränkungen, wie sie andere Länder jetzt einführen. Am 28. Dezember treten einige Verschärfungen in Kraft, darunter eine FFP2-Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Einrichtungen und bei körpernahen Dienstleistungen. An Beerdigungen dürfen maximal 20 Personen mit 3G-Nachweis teilnehmen. Die seit November bestehende nächtliche Ausgangssperre für besonders betroffene Corona-Hotspots wird fortgesetzt.

SACHSEN-ANHALT: Seit Donnerstag (23.12.) dürfen in Sachsen-Anhalt keine Clubs und Diskotheken mehr öffnen. Weil der Landtag die epidemische Lage festgestellt hat, haben die Landkreise und kreisfreien Städte die Möglichkeit, weitere Maßnahmen zu verhängen. Für Geimpfte und Genesene bleibt es in Sachsen-Anhalt zunächst bei der Empfehlung, sich nicht mit mehr als zehn Personen zu treffen. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) schloss allerdings nicht aus, in den kommenden Tagen noch einmal nachzusteuern.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Trotz relativ niedriger Corona-Infektionszahlen sollen auch im Norden der Republik vom 28. Dezember an die in der Bund-Länder-Runde vereinbarten Kontaktbeschränkungen gelten. Geplant ist zudem eine erhebliche Reduzierung der möglichen Kapazitäten von Clubs und Diskotheken unter den bereits gültigen 2G-plus-Regeln, bei denen zusätzlich zum Impf- oder Genesenennachweis ein negativer Corona-Test vorgezeigt werden muss.

THÜRINGEN: Die Erfurter Landesregierung setzt die Bund-Länder-Beschlüsse zum 28. Dezember um. Bei den Kontaktbeschränkungen werden hier allerdings Kinder nur bis zum Alter von zwölf Jahren nicht mitgezählt. Clubs und Diskotheken sind in Thüringen schon länger geschlossen. Auch Volksfeste, Weihnachtsmärkte oder Messen sind untersagt. An den Thüringer Schulen wird es an den ersten beiden Tagen nach den Ferien (3./4.1.) keinen Unterricht geben. Bis zum 14. Januar soll dann Distanzunterricht stattfinden.

(dpa)

Goldnachfrage wächst auch im zweiten Corona-Jahr

09:03
24.12.2021
Corona-Krise ohne Ende und eine steigende Inflation stärken bei Verbrauchern die Nachfrage nach Gold. Im ersten Halbjahr 2021 seien in Deutschland mehr als 90 Tonnen an Barren und Münzen umgesetzt worden, sagte der Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle, York Tetzlaff, unter Berufung auf Daten des World Gold Councils. «Das war der höchste Umsatz seit zwölf Jahren, weltweit wurde nur in China mehr Gold nachgefragt.»

Im dritten Quartal sei der Umsatz noch einmal angestiegen und habe mit 33,7 Tonnen auf dem höchsten Quartalswert seit 2011 gelegen. «Der Rekord vom vergangenen Jahr mit 157 Tonnen könnte 2021 noch übertroffen werden. Damit hätten wir zwei Absatzrekordjahre in Folge», sagte Tetzlaff der Deutschen Presse-Agentur in Pforzheim.

Aufgrund der steigenden Inflation und der vierten Corona-Welle habe der Goldpreis im November den Höchststand von rund 53 Euro je Gramm erreicht und sei dann etwas gesunken - Tetzlaff zufolge wohl auch wegen Spekulationen, die US-Notenbank Fed könnte kommendes Jahr Zinsen erhöhen, um die Inflation abzumildern. «Dies führt dazu, dass Anleger abwarten. Dennoch bleibt die Nachfrage auf hohem Niveau.»

Gold gilt seit jeher als krisensichere Anlage. Der Bankenverband warnt allerdings, trotz seines Rufs als sicherer Hafen könne man nicht von einer stabilen Preisentwicklung ausgehen. Wichtige Einflussfaktoren seien der Euro-Dollar-Wechselkurs, der Ölpreis und das politische Umfeld. «Zudem bringt Gold keine regelmäßigen Erträge, die Rendite ist nur aus einem steigenden Goldpreis zu erzielen.»

Mit Gold lassen sich nach Angaben des Bankenverbands auch größere Werte im heimischen Tresor oder im Bankschließfach aufbewahren, so seien sie im Notfall schnell verfügbar: «5000 Euro in Form von physischem Gold sind beispielsweise kleiner als eine Streichholzschachtel und wiegen gerade einmal 100 Gramm.»

In den vergangenen Jahren waren auch Anlagen in Form sogenannter ETCs (börsengehandelte Rohstoffe) gefragt, sagte Tetzlaff. 2021 seien hier die Bestände aber zurückgegangen, während die Nachfrage nach physischem Gold in Form von Barren und Münzen gewachsen sei. «Davon versprechen sich gerade Privatanleger mehr Sicherheit.»

Nach Angaben des World Gold Councils haben Deutsche im Jahr 2020 mehr Goldbarren und -münzen gekauft als jemals zuvor. 2021 hätten sie ein Investitionstempo beibehalten, «das den historischen Durchschnitt weit übertrifft, selbst im Vergleich zu den berauschenden Niveaus, die während und nach der globalen Finanzkrise erreicht wurden».

In einer Umfrage 2019 hätten 64 Prozent der deutschen Privatanleger zugestimmt, dass Gold ein guter Schutz vor Inflations- und Währungsschwankungen sei. 61 Prozent waren der Meinung, dass es auf lange Sicht nie an Wert verliere. Allerdings sahen die Experten auch, dass Gold zwar eine beliebte Anlage in deutschen Portfolios sei. «Aber es ist noch nicht wirklich Mainstream geworden.»

Manche Exemplare sind auch eher Sammlerstücke: So hat der Bund dieses Jahr die zweite 100-Euro-Goldmünze der dreiteiligen Serie «Säulen der Demokratie» herausgegeben. Der offizielle Ausgabepreis der aus Feingold bestehenden Münze von 809,35 Euro ist laut Bankenverband der höchste für eine vom Bund ausgegebene 100-Euro-Goldmünze seit 2002.

Die Fachvereinigung vertritt als Bundesverband der deutschen Edelmetallindustrie 36 Unternehmen und damit laut Tetzlaff mehr als 90 Prozent der Branche. Gold und Silber seien als Investmentprodukte sowie für Schmuck gefragt. Silber und andere Edelmetalle wie Platin, Palladium und Rhodium würden als Industriemetalle breit eingesetzt, auch im Sinne der Energiewende: in Brennstoffzellen etwa, Photovoltaikanlagen oder für elektrische Kontakte bei Windrädern.

«Bei Platin kommen etwa 80 Prozent der Nachfrage aus der Industrie – bis hin zur Krebstherapie, wo platinhaltige Medikamente das Tumorwachstum bremsen können», sagte Tetzlaff. Der Großteil des Platins werde neben der Schmuckindustrie aber für Katalysatoren in Dieselautos verwendet. Für Benziner und Hybridfahrzeuge dagegen brauche man Palladium. Hier geht die Nachfrage Tetzlaff zufolge wegen der Chip- und Halbleiter-Krise im Autobau etwas zurück.

2021 sei wie auch 2020 ein sehr gutes für die Branche gewesen, sagte der Geschäftsführer. «Und das über alle Zweige hinweg.» Lieferengpässe habe es im Grunde nur für Münzprägeanstalten gegeben. Dazu trage auch ein umfassender Materialkreislauf durch das Edelmetallrecycling bei. Gerade Gold - etwa aus Schmuck, Münzen, Zahnersatz und Elektroschrott - werde in Deutschland in der Regel wiederverwertet. So fänden sich in einer Tonne alter Smartphones 250 Gramm Feingold. «Weltweit deckt Recycling-Gold mehr als ein Viertel des Angebotes ab – mit steigender Tendenz», erläuterte Tetzlaff.

Für Anleger wichtig zu wissen sei, dass man Gold - anders als etwa Silber - umsatzsteuerfrei erwerben kann. Dabei gibt es aber bestimmte Vorgaben zu beachten. Bei Anlageprodukten sollte man eher in reine Formen wie Barren investieren und nicht in Schmuck. Sonst zahle man die Herstellungskosten mit. «Den ideellen Zusatzwert bekommt man nicht wieder.» Beim Verkauf von Altgold komme es nur auf den Materialwert an.

Edelmetalle eigneten sich zwar als langfristige Anlage, wenn der Werterhalt im Vordergrund stehe. Aber sie sollten nie der alleinige Aufbau eines Investments sein, sagte Tetzlaff. Zehn Prozent des Portfolios sei ein gängiger Richtwert. Auch der Bankenverband spricht auf seiner Internetseite von fünf bis zehn Prozent Depotanteil.

«Sichere Häfen sind dabei Gold und Silber, das wird auch immer so bleiben», so Tetzlaff. Zwar könne man zum Beispiel auch Platin- oder Palladiumbarren kaufen. «Aber das Letztere ist schon fast exotisch.»

(dpa)

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