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Vor Corona-Wellen rufen mehr Menschen bei der Telefonseelsorge an

05:32
23.12.2021
Einsamkeit, Unsicherheit und Sorgen in der Pandemie haben sich bei der Telefonseelsorge niedergeschlagen. «Wir haben festgestellt, dass der Bedarf an Gesprächen immer kurz vor einer Corona-Welle zunimmt und später wieder etwas abflaut. In ruhigen Zeiten sind es 2500, 2800 Anrufe am Tag, dann steigert es sich auf bis zu 3500 Anrufe pro Tag», sagt Ludger Storch, der sich mit Statistiken der Telefonseelsorge beschäftigt und die Telefonseelsorge Bochum leitet. 2020 wurden nach seinen Angaben 44 600 Mails beantwortet und 33 500 Chats durchgeführt, für das zu Ende gehende Jahr rechnet er mit etwa ebenso vielen.

Seit Mitte November gehe es - angesichts der steigenden Inzidenzzahlen und der Unstimmigkeiten zwischen Geimpften und Ungeimpften - wieder vermehrt um die Pandemie. In den ost- und süddeutschen Bundesländern drehe sich nun mehr als jedes fünfte Gespräch darum, im Bundesschnitt etwa jedes neunte.

Im Vergleich zu vor der Pandemie thematisierten das ganze Jahr über deutlich mehr Menschen Einsamkeit und Isolation - etwa weil aufgrund der Pandemie Menschen nicht mehr zu Besuch kommen und die Anrufenden ihre Beziehungen nicht so pflegen können wie gewohnt. Mehr als 23 Prozent fühlten sich einsam, 2018 waren es noch 16 Prozent.

Es sei auch auffällig, dass mehr Anrufer ihre Ängste benennen (14 Prozent, vor der Pandemie: 12 Prozent), sagt Storch. «Besonders in der ersten Corona-Welle haben sich viele Menschen mit diffusen Sorgen und Ängsten gemeldet. Immer dann, wenn unklar ist, wie es weitergeht, etwa mit der Delta-Variante, kommen mehr Fragen von Menschen, die vorsichtig sind, Vorerkrankungen haben.» Manche Menschen hätten die Telefonseelsorge in der Pandemie das erste Mal angerufen und nutzten sie nun bei Bedarf.

Viele Eltern, Kinder und Jugendliche melden sich auch bei der «Nummer gegen Kummer». 2020 gab es insgesamt 128 500 Beratungen, die Zahlen für das laufende Jahr sind noch nicht bekannt. Noch mehr junge Leute suchten aber per Chat Rat und mehr Erwachsene kontaktierten das «Elterntelefon», heißt es vom Verein. Beide Angebote sollen deshalb auch 2022 länger erreichbar sein.

(dpa)

Experten erwarten wenig aussagekräftige Corona-Daten über Feiertage

05:30
23.12.2021
Reichen die gültigen und geplanten Maßnahmen gegen die befürchtete Omikron-Welle? Der Blick auf Infektionszahlen könnte in den nächsten Tagen trügen, befürchten Fachleute.

Berlin (dpa) - Bei der Beurteilung der Corona-Lage droht Deutschland Ungewissheit bis ins neue Jahr hinein. Die Verbandschefin der Amtsärzte, Ute Teichert, geht davon aus, dass es über die Feiertage und zwischen den Jahren bei den offiziell gemeldeten Corona-Zahlen zu einer Untererfassung kommen könnte. «Verlässlich dürften die Zahlen erst wieder Anfang Januar sein.» Das erschwere die Beurteilung der Corona-Lage in Deutschland, sagte Teichert, die Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) ist.

Momentan sinken die Infektionszahlen in Deutschland. Experten gehen aber davon aus, dass die neue Virusvariante Omikron die Lage wieder verschärfen könnte. Die Befürchtung ist nun, dass dieser Effekt in den Meldezahlen nicht zeitnah sichtbar wird.

Der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hatte am Mittwoch in Berlin auf ein zu erwartendes unvollständiges Bild hingewiesen. In einem Hinweis zu den täglichen Fallzahlen heißt es seit Donnerstagmorgen beim RKI: «Während der Feiertage und zum Jahreswechsel ist bei der Interpretation der Fallzahlen zu beachten, dass mit einer geringeren Test- und Meldeaktivität zu rechnen ist.»

Für die unzureichende Datenlage zwischen den Jahren sind laut Teichert nicht nur die Gesundheitsämter verantwortlich, die mit dem Melden positiver Corona-Nachweise nicht so hinterherkommen dürften wie sonst. Es gehen ihrer Einschätzung nach auch schlicht weniger Menschen zum Testen. Zudem sei davon auszugehen, dass auch weniger Testzentren offen seien. Teichert forderte erneut grundsätzlich mehr Personal für die Gesundheitsämter, damit dort keine Lücken beispielsweise an Feiertagen entstehen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnte: «An Wochenenden und Feiertagen geht die Datenerfassung des öffentlichen Gesundheitswesen in den Ruhemodus. Doch das Virus schläft nicht. So hinken die politischen Maßnahmen dem Infektionsgeschehen hinterher.» Der rückläufige Trend bei der gemeldeten Sieben-Tage-Inzidenz dürfte sich nach Bryschs Einschätzung auch über Weihnachten fortsetzen. «Doch es kann bezweifelt werden, ob dieser Effekt vor allem den Corona-Regelungen zuzuschreiben ist.» Schließlich sei die breite Testpflicht gekippt worden und Deutschland verharre «immer noch im Papierzeitalter».

«Die fachärztlichen Labore hielten selbstverständlich auch über Weihnachten die Versorgung aufrecht und stellten ausreichend Sars-CoV-2-PCR-Testkapazitäten zur Verfügung», hatte der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin mitgeteilt.

(dpa)

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