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Britische Regierung gespalten über schärfere Maßnahmen gegen Omikron

12:34
20.12.2021
Die Debatte über strengere Corona-Regeln im Kampf gegen Omikron spaltet Berichten zufolge die britische Regierung. Ohne schärfere Maßnahmen drohen dem britischen Expertenrat Sage zufolge allein in England 3000 Krankenhauseinweisungen pro Tag und die Überlastung des Gesundheitssystems. Mehrere Regierungsmitglieder, darunter Finanzminister Rishi Sunak, zweifeln jedoch laut «Times» (Montag) die wissenschaftlichen Prognosen an und sprechen sich gegen deutlich striktere Maßnahmen aus.

Angesichts der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante scheint es unausweichlich, dass zeitnah nachgeschärft werden muss. Doch um das Wann und Wie wird noch gerungen. Die möglichen Optionen reichen von Empfehlungen, Kontakte zu beschränken, über Obergrenzen für private Treffen und Sperrstunden bis hin zum kompletten Lockdown. Mehrere Minister wollten in Interviews zuletzt nicht mehr ausschließen, dass noch vor Weihnachten Verschärfungen kommen könnten.

Premierminister Boris Johnson mangelt es derzeit an politischer und moralischer Autorität, um Maßnahmen konsequent durchzusetzen. Einerseits rebellierten erst kürzlich bei einer vergleichsweise moderaten Verschärfung schon fast 100 Abgeordnete seiner eigenen Partei, weil sie die Einführung von 3-G-Nachweisen für Clubs und Großveranstaltungen als Eingriff in britische Freiheiten ansehen. Andererseits steht Johnson wegen mehrerer mutmaßlicher Lockdown-Partys in der Downing Street in der Kritik.

(dpa)

Weniger Behandlungen und mehr Intensivbetten im ersten Pandemie-Jahr

12:34
20.12.2021
Weniger Behandlungen insgesamt aber mehr Betten für Schwerstkranke: Die Zahl der Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern ist im ersten Jahr der Corona-Pandemie 2020 um fünf Prozent gestiegen. Das ist ein Anstieg um 1400 auf insgesamt 27 000 Betten im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Dagegen nahm die Zahl der Behandlungen in den Kliniken um 13,1 Prozent oder 2,5 Millionen ab.

«Der festgestellte Zuwachs bei der Zahl der Intensivbetten ist auf die Anstrengungen der Krankenhäuser zurückzuführen, angesichts der Pandemie diese wichtige Ressource auszubauen», sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß. Leider sei festzustellen, dass dieses hohe Niveau über das Jahr 2021 nicht gehalten werden konnte. Viele Krankenhausstandorte hätten ihre Intensiv-Kapazitäten wegen Personalmangels wieder reduzieren müssen.

Die Gesamtzahl der Betten in den 1901 Kliniken in Deutschland ging den Statistikern zufolge um 7400 auf 486 700 zurück. Auch die Behandlungstage in den Krankenhäusern waren im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 rückläufig. Mit rund 122,6 Millionen waren es rund zwölf Prozent oder 16,7 Millionen Tage weniger. Bei der Zahl der Betten handelt es sich den ersten vorläufigen Ergebnissen zufolge um Jahresdurchschnittswerte.

Die durchschnittliche Bettenauslastung lag 2020 den Statistikern zufolge bei 68,8 Prozent und ging damit um 8,4 Prozent zurück. «Das heißt, die Krankenhausbetten waren durchschnittlich an zwei von drei Tagen belegt», heißt es in der Mitteilung des Statischen Bundesamtes. Am höchsten war sie in Berlin mit 74,2, am niedrigsten in Rheinland-Pfalz mit 63,1 Prozent.

Die Zahlen zeigen nach Ansicht von Gaß sehr deutlich, wie stark die Krankenhäuser die Regelversorgung 2020 hätten einschränken müssen. Die durchschnittliche Bettenauslastung ging um mehr als acht Prozent zurück - fast 2,5 Millionen weniger Krankenhausbehandlungen. «Viele Eingriffe mussten verschoben werden.» Vielfach hätten Kliniken aber auch aus Infektionsschutzgründen Mehrbettzimmer in Einzelzimmer umwandeln müssen. Diese Zahlen zeigen, dass Ausgleichszahlungen im Jahr 2020 unbedingt notwendig waren.

«Die Fakten machen deutlich, dass Covid-19 die Abteilungen in den Krankenhäusern sehr unterschiedlich belastet», sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Nicht einmal 70 Prozent der Betten seien belegt. Die meisten Kliniken würden mittlerweile mit dem Begriff der verschiebbaren Operationen arbeiten. Einen einheitlichen Maßstab gebe es für diesen inhaltsleeren Begriff aber nicht. «Das hat Folgen für krebskranke, neurologische und kardiologische Patienten.» Es sei überfällig, dass der Bundestag verbindlich Kriterien dazu erlässt. Schließlich sei nur das Parlament demokratisch legitimiert, Kriterien über die Verteilung von Lebenschancen festzulegen.

(dpa)

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