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Mehr Kinder mit Covid-19 auf Intensiv? - Experte gibt Entwarnung

03:02
02.12.2021
Auf Kinderintensivstationen in Deutschland ist die Zahl der Corona-Fälle laut Divi-Intensivregister im November deutlich gestiegen, allerdings auf niedrigem Niveau.

Fachleute geben jedoch Entwarnung: «Die allermeisten dieser Kinder sind wegen anderer Erkrankungen in Behandlung und haben keine Covid-19-Symptome», sagte der Kinder-Intensivmediziner Florian Hoffmann der Deutschen Presse-Agentur. Er ist Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München.

Insgesamt wies das Divi-Intensivregister am Mittwoch 22 zur gleichen Zeit behandelte Corona-Fälle auf Kinderintensivstationen aus. Am 27. November war die Zahl auf 30 gestiegen, nachdem sie zu Monatsbeginn noch 5 betragen hatte. Es handelt sich um den höchsten Ausschlag in der Kurve seit April 2020. Zu Beginn der Pandemie waren nach Divi-Angaben aber auch noch nicht alle Meldebereiche im Register angemeldet.

«Es ist und bleibt so: Kinder sind von Covid-19 nicht schwer betroffen», sagte Hoffmann. Die zusätzliche Corona-Infektion der Kinder kann etwa bei Routinetests im Krankenhaus festgestellt werden. Die gestiegenen Zahlen auf Kinderintensivstationen spiegelten die derzeit sehr große Verbreitung des Sars-2-Coronavirus in der gesamten Bevölkerung wider, sagte Hoffmann. Unter den kleinen Patientinnen und Patienten seien etwa auch Neugeborene, die von der Mutter angesteckt wurden und als Vorsichtsmaßnahme erst einmal beobachtet werden.

Es handle sich unverändert um sehr seltene Einzelfälle, wenn vorerkrankte Kinder wegen Covid-19 intubiert und beatmet würden, sagte Hoffmann. «Dass ein gesunder Mensch durch eine Corona-Infektion schwer krank wird, ist bei Kindern im Gegensatz zu Erwachsenen eine absolute Rarität.»

«Unsere Pandemie ist RSV», sagte Hoffmann. Die Abkürzung steht für das Respiratorische Synzytial-Virus, das schwere Lungenentzündungen hervorrufen und insbesondere für Frühgeborene, Säuglinge und Kleinkinder gefährlich sein kann. Es habe vor allem seit Oktober eine große Welle gegeben, mittlerweile scheine sich die Lage aber etwas zu beruhigen, schilderte Hoffmann.

Die Covid-19-Impfung macht für den Mediziner trotz der relativen Harmlosigkeit der Erkrankung bei Kindern Sinn: «Die Impfung wird Kindern wieder ein uneingeschränktes soziales Leben ermöglichen.» Auch wenn zum Eindämmen der Pandemie das öffentliche Leben heruntergefahren werden sollte - «die Schulen müssen auf jeden Fall offen bleiben», sagte Hoffmann mit Blick auf die schon beobachteten Kollateralschäden, die bis hin zu Suizidversuchen reichten.

(dpa)

Fehlgeleitete Immunreaktion: Wie das Coronavirus die Lunge zerstört

02:47
02.12.2021
Eine schwer verlaufende Covid-19-Erkrankung geht oft mit einer starken Vernarbung des Lungengewebes einher.

Womöglich bringt Sars-CoV-2 die Fresszellen des Immunsystems dazu, Vernarbungsprozesse zu befeuern, berichtet ein deutsches Forscherteam um Leif-Erik Sander von der Berliner Charité im Fachmagazin «Cell». Das habe letztlich zur Folge, dass die Covid-19-Patienten außergewöhnlich lange unterstützend mit Sauerstoff versorgt oder sogar über eine künstliche Lunge - die ECMO - beatmet werden müssten.

Bei einem schweren Verlauf von Covid-19 entwickelt sich bei vielen Patienten ein akutes Lungenversagen, kurz ARDS genannt (Acute Respiratory Distress Syndrome). Die Forschenden um Sander gingen in ihrer Studie der Vermutung nach, dass dabei das Lungengewebe der Patienten vernarbt, verdickt und unelastisch wird. Ganz ähnliche Vorgänge laufen bei einer bisher unheilbaren Form der Lungenvernarbung ab, der idiopathischen Lungenfibrose.

Die Wissenschaftler untersuchten zunächst das Lungengewebe verstorbener Patienten unter dem Mikroskop und fanden charakteristische Merkmale einer schweren Fibrose. «Bei fast allen Betroffenen haben wir enorme Schäden entdeckt: Die Lungenbläschen waren weitgehend zerstört, die Wände deutlich verdickt. Außerdem fanden wir ausgeprägte Ablagerungen von Kollagen, welches ein Hauptbestandteil von Narbengewebe ist», sagte Peter Boor vom Institut für Pathologie an der RWTH Aachen.

Typischerweise entwickele sich das Lungenversagen erst zwei bis drei Wochen nach Auftreten der ersten Symptome, erläuterte Sander. «Das weist darauf hin, dass nicht die unkontrollierte Virusvermehrung zum Versagen der Lunge führt, sondern nachgeschaltete Reaktionen, beispielsweise des Immunsystems, eine Rolle spielen.» Das Team untersuchte deshalb im nächsten Schritt die Immunzellen in Lungenspülungen und Lungengewebe von schwer erkrankten oder verstorbenen Covid-19-Patienten.

Sie fanden, dass sich vor allem Makrophagen in der Lunge betroffener Patienten ansammeln. Diese Fresszellen beseitigen normalerweise Erreger oder Zellabfälle, sind aber auch an der Wundheilung beteiligt. Bei einer schweren Covid-19-Erkrankung scheinen sie mit bestimmten Zellen des Bindegewebes in Kontakt zu treten. Diese vermehren sich daraufhin stark und bilden große Mengen Kollagen. Nachfolgende Untersuchungen in Zellkulturen legten nahe, dass Sars-CoV-2 die fehlgeleitete Reaktion der Fresszellen anstößt. Grippeviren konnten dies hingegen nicht.

«Unsere Daten zeigen also eindeutig Parallelen zwischen Covid-19 und der chronischen Lungenfibrose auf», erklärte Antoine-Emmanuel Saliba vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung in Würzburg. «Das erklärt vielleicht, warum einige Risikofaktoren für Covid-19 auch Risikofaktoren für die idiopathische Lungenfibrose sind – zum Beispiel Grunderkrankungen, Rauchen, ein männliches Geschlecht und ein Alter über 60 Jahre.»

Anders als bei der idiopathischen Lungenfibrose, deren Ursache unbekannt ist, sind die Vernarbungen bei Covid-19-Patienten reparabel, berichten die Forschenden weiter. Im Verlauf der Genesung lösen sich bei ihnen die Verdickungen und Vernarbungen zumindest zum Teil wieder auf. Eine genauere Untersuchung der Rückbildungsprozesse soll nun dazu beitragen, mögliche Behandlungsmöglichkeiten für beide Erkrankungen zu entwickeln, beziehungsweise die Vernarbungen von vornherein zu verhindern.

(dpa)

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