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20211108052303

Mediziner: Zahl an Corona-Intensivpatienten könnte sich verdoppeln

05:21
08.11.2021
Mediziner befürchten eine Verdopplung der Corona-Patienten auf Intensivstationen. Schon jetzt müssten mit knapp 2500 Fällen genauso viele Corona-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen versorgt werden wie zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr bei der zweiten Corona-Welle, sagte Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), der «Augsburger Allgemeinen» (Montag). In den kommenden Wochen werde sich die Zahl voraussichtlich fast verdoppeln, wenn die Neuinfektionen weiter so steigen wie bisher. «Bei einer Inzidenz von 300 erwarten wir bundesweit etwa 4500 Covid-Patienten mit großen regionalen Unterschieden», warnte Karagiannidis. Die Zahl der Neuinfektionen ist in den vergangenen Tagen rasant gestiegen, am Sonntag lag die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz je 100 000 Einwohner bei knapp unter 200.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek warnte in der Zeitung: «Eine weitere Verdoppelung würde zahlenmäßig weit über den Höchstwerten der vergangenen Wellen liegen und von unserem Gesundheitssystem in Deutschland nicht mehr verkraftet werden.» Eine der Hauptursachen sieht der CSU-Politiker in der niedrigen Impfquote. «Auch in Bayern fluten insbesondere die Ungeimpften unsere Krankenhäuser. Zu mehr als 90 Prozent sind das Patienten, die die Chance auf eine Impfung bis heute ausgeschlagen haben», sagte Holetschek.

Intensivmediziner Karagiannidis hält längerfristige Voraussagen über den Verlauf der Pandemie für schwierig. Man könne anhand der Inzidenzen relativ klar vorhersehen, was in den nächsten Wochen passiere. «Was wir nicht vorhersehen können, ist, auf welchem Niveau das Ganze zum Stillstand kommt», sagte er. So sei unklar, welchen Effekt 2G-Regeln und Auffrischungsimpfungen hätten oder ob die Bevölkerung ihr Verhalten ändere. «Wir navigieren gerade ohne GPS durch den Nebel», sagte Karagiannidis.

(dpa)

Tschentscher: Pandemie nicht aus Sicht der Ungeimpften beurteilen

05:18
08.11.2021
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hat dazu aufgerufen, energisch den Kontakt zu den bisher nicht gegen Corona geimpften Menschen zu suchen. «Wir müssen unterschiedlichste Wege gehen, um die noch nicht Geimpften zu erreichen. Die Wege müssen so unterschiedlich sein wie die Menschen unterschiedlich sind, die bisher noch skeptisch sind», sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend im ZDF-«heute journal». Er machte sich zudem für 2G-Optionsmodelle in ganz Deutschland stark, mit denen bestimmte Einrichtungen Ungeimpften den Zutritt verwehren können. «Wir haben in Hamburg im August schon die 2G-Regel eingeführt (...) Das muss jetzt in ganz Deutschland umgesetzt werden», sagte Tschentscher.

Auf die Frage, ob zwei 2G-Modelle letztlich nicht eine Art Lockdown für Ungeimpfte bedeuteten, sagte der SPD-Politiker: «Wir können diese Pandemie nicht immer aus der Sicht der Ungeimpften beurteilen.» Die große Zahl der schon geimpften Personen habe schließlich auch Rechte. In vielen Bundesländern gebe es bisher eine zu niedrige Impfquote - «und dort eskaliert jetzt auch die Situation.»

Die Erkenntnis der vergangenen Wochen sei, dass es ohne die Impfungen «nicht geht - und dass es auch für die Ungeimpften schwer wird jetzt in den nächsten Monaten, am öffentlichen Leben teilzunehmen.»

(dpa)

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