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Ärztekammer für schnelle Wiedereinführung kostenloser Corona-Tests

07:49
07.11.2021
Die Bundesärztekammer fordert eine schnelle Rückkehr zu kostenlosen Corona-Schnelltests. Das Ende der Kostenübernahme für sogenannte Bürgertests habe nicht dazu geführt, Impfunwillige zu einer Impfung zu motivieren, sagte Präsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag). Bund und Länder sollten deshalb den Mut aufbringen, diese Fehlentscheidung schnell und konsequent zu korrigieren.

Seit dem 11. Oktober sind Corona-Schnelltests in Deutschland nur noch in Ausnahmefällen kostenlos. Der Bund hat die Finanzierung eingestellt, viele Teststationen sind inzwischen geschlossen. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass nun jeder die Möglichkeit habe, sich durch eine Impfung zu schützen. Gratis-Schnelltests gibt es seither nur noch für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, darunter Kinder unter 12 Jahren, sowie übergangsweise für 12- bis 17-Jährige und Schwangere.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst forderte
kostenlose Corona-Tests für Geimpfte und Genesene. «Die
hohen Infektionszahlen unter Ungeimpften führen zu immer mehr
Durchbrüchen auch bei den Geimpften», sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». Kostenlose Schnelltests für Geimpfte und Genesene würden es auch für Menschen mit wenig Geld leichter machen, sich und andere zu schützen, ohne den Anreiz zum Impfen auszusetzen.

Ärztepräsident Reinhardt betonte, gerade in der kalten Jahreszeit mit vielen Freizeitaktivitäten in Innenräumen brauche man aber wieder niedrigschwellige, kostenlose Testangebote, um die Weiterverbreitung des Virus zu bremsen. «Die Neuregelung muss jetzt schnell kommen, möglichst noch mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes Mitte November.»

Da das Virus auch von Geimpften weiterverbreitet werden kann, forderte der Ärztepräsident «eine funktionierende und flächendeckende Teststrategie für alle, also auch für Geimpfte». In Regionen mit hohen Inzidenzen sollte etwa für Teilnehmer von risikoreichen Veranstaltungen wie Clubbesuchen zusätzlich zur 2G-Regelung ein negativer Schnelltest Zutrittsvoraussetzung sein. Das würde bedeuten, dass auch Geimpfte und Genesene nur mit Negativtest Zutritt hätten.

(dpa)

Narren wollen Corona trotzen

07:47
07.11.2021
Von der Corona-Pandemie, der in Baden-Württemberg ausgerufenen Warnstufe und steigenden Zahlen lassen sich viele Narren hierzulande bislang nicht abschrecken. «Wir planen! Abgesagt ist leicht», sagte der Präsident der Karlsruher Fastnacht, Michael Maier, der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn wir jetzt schon resignieren, brauchen wir gar keine Fastnacht mehr machen.»

Zum Auftakt in die «fünfte Jahreszeit» am Donnerstag ist um 11.11 Uhr ein Treffen im kleinen Kreis am Narrenbrunnen geplant, ab 16.33 Uhr soll es dann auf dem Marktplatz Programm geben. Wegen verschärfter Corona-Regeln werde das Gelände nach Absprache mit dem Ordnungsamt umzäunt, Sicherheitsleute kontrollierten die 3G-Nachweise. «Man kann ja alles machen, wenn man sich an die Regeln hält», sagte Maier. «Und wer als Passant daran vorbeimarschiert: Das ist Lebensrisiko.» Nur eines störe: «Es sieht ziemlich blöd aus, wenn man mit Maske lacht.»

Dass in Baden-Württemberg seit einigen Tagen die sogenannte Warnstufe gilt und bei steigenden Patientenzahlen auf den Intensivstationen auch die Alarmstufe mit noch höheren Vorgaben immer näher rückt, stoppt die Narren noch lange nicht. Die meisten hätten mit 2G geplant, sagte Jürgen Lesmeister, Präsident der Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine. Die badisch-pfälzische Region wird in der «fünften Jahreszeit» zum regelrechten Schmelztiegel: Hier mischen sich alemannische und rheinische Fasnachtstraditionen.

Durch Baden-Württemberg verläuft während der närrischen Saison eine unsichtbare Grenze: Im Norden wird Karneval gefeiert und zur Musik der Mottowagen geschunkelt, im Süden wird die schwäbisch-alemannische Fastnacht ganz traditionell mit Häs (Kostüm), Larve (Maske) sowie Narrensprung begangen und bewahrt. Diese beginnt aber erst am 6. Januar, Dreikönig. Daher wird das Publikum im Südwesten - anders als in den Hochburgen wie Köln, Düsseldorf und Mainz - am Donnerstag wohl nicht allzu viel vom Start der «fünften Jahreszeit» mitbekommen.

Manche Zünfte planten interne Veranstaltungen oder einen bunten Abend, sagte Volker Gegg von der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte. Mehr sei nicht zu erwarten. Die Vorbereitungen für den offiziellen Saisonstart im neuen Jahr liefen trotz Corona weiter.

Das Stockacher Narrengericht etwa soll nach der Corona-Zwangspause am 24. Februar stattfinden. Kommen dürften nach aktuellem Planungsstand aber nur Geimpfte und Genesene, sagte Narrenrichter Jürgen Koterzyna. «Leider schließen wir damit Gäste, auch Mitglieder, die noch nicht geimpft sind, aus. Aber wenn wir den Saal nur zu 30 Prozent auslasten dürften, würden wir noch mehr Menschen ausschließen.»

Das Programm des Narrengerichts solle nach aktuellem Stand «in normalem Umfang stattfinden», sagte Koterzyna. In Innenräumen werde dabei stets die 2G-Regel gelten. Wenn kein Eintritt verlangt werde, zum Beispiel beim Auftakt am Dreikönigstag mit geladenen Gästen, sei auch eine Übertragung im Internet denkbar. «Wir freuen uns vor allem, dass wir wieder vor vollem Haus auftreten können», sagte Koterzyna. «Uns hat es wirklich geschmerzt, dass das letztes Jahr nicht ging.»

Doch auch weiter im Norden werde der 11. November eher genutzt, um «intern die Glocken schwingen zu lassen», sagte die Präsidentin des Ortenauer Narrenbunds, Silvia Boschert. So beratschlagten etwa Zunftmeister, wie Veranstaltungen rund um Rosenmontag (28. Februar) umgesetzt werden können. «Nichts mit Remmidemmi.»

Eine Entscheidung diesbezüglich getroffen hat schon der Große Rat der Ludwigshafener Karneval-Vereine: Ende Februar werde es keinen gemeinsamen Fastnachtsumzug in den Schwesterstädten Ludwigshafen und Mannheim geben, hieß es am Donnerstag. Bei bis zu 250 000 Besuchern seien Abstände nicht einzuhalten und 3G-Regeln nicht überprüfbar.

Sollten alle Stricke reißen, haben auch die Karlsruher einen Plan B: Schon als in diesem Jahr die Fastnacht quasi ausfiel, setzten sie auf eine Online-Alternative. «Das war pandemiebedingt eine Möglichkeit, Brauchtum am Leben zu halten», sagte Maier. Überzeugt klingt anders.

Nichtsdestotrotz hätten die Narren auch dieses Mal Videos vorbereitet, die sie am 11. November im Internet in sozialen Netzwerken und auf Youtube veröffentlichen wollen. «Damit können wir eine ganz andere Zielgruppe erreichen, haben wir gelernt», sagte Maier und meinte damit nicht nur Jüngere. «Das ist vielleicht etwas Positives an der Pandemie: dass wir diese Medien entdeckt haben.»

(dpa)

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